Grüne: Claudia Roth:"Die CSU jagt verzweifelt Stimmen"

SZ: Mindestens die CSU klingt neuerdings ziemlich überzeugt vom Ausstieg.

Roth: Ich bitte Sie! Die jagen doch verzweifelt hinter den Stimmungen her. Das ist keine überzeugende Linie, sondern schlicht Angst vor dem Machtverlust.

SZ: Und wie groß ist Ihre Angst, dass die Grünen den Markenkern einbüßen?

Roth: Es ist eine herbe Fehleinschätzung zu glauben, die Grünen seien eine Ein-Punkt-Partei. Klar spielt die Ökologie eine große Rolle, aber auch Themen wie Gerechtigkeit, Demokratie, Selbstbestimmung. Da machen wir uns keine Sorgen. Die Atompolitik ist nicht alles.

SZ: Werden denn schwarz-grüne Koalitionen nun wieder leichter?

Roth: So einfach ist es nicht. Es bleiben immer noch große Unterschiede in der Sozial- und Gesellschaftspolitik. Etwa in der Frage, wie wir eine Modernisierung dieses Landes hinbekommen, ökologisch und ökonomisch. Da gehört auch soziale Gerechtigkeit dazu, Mindestlohn und eine andere Gesundheits- und Bildungspolitik. Diese Union ist sehr weit von uns weg, Atompolitik hin oder her. Ihre Avancen können die sich derzeit sparen.

SZ: Avancen?

Roth: Ja, das ist beeindruckend. Erst waren wir monatelang der Hauptgegner der Union, jetzt sind Leute wie Horst Seehofer plötzlich nett zu uns. Aber doch nur, weil der Lieblingspartner der Union dümpelt. Merkel und ihre Mannen sind Zahlenmeister, die rechnen aus, dass es mit der FDP nicht mehr reicht - da nehmen sie halt die Grünen. Inhaltlich ist das null begründet. So geht das nicht.

© SZ vom 13.04.2011/fiem
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