Großbritannien:Farage: "Sie hören mir nicht zu, oder?"

Hat er etwas gegen Ausländer? Farage ist aufgebracht: "Darf ich Ihnen sagen, dass viele von Ihnen für meine Partei gestimmt haben in den vergangenen Wahlen!" - "Haben sie?", fragt die Zuschauerin dazwischen. Sie kann das nicht glauben. Farage: "Viele haben für uns kandidiert!" - "Haben Sie? Haben sie irgendwelche Beweise dafür, ein paar Zahlen vielleicht?", fragt die Frau. Gute Frage. Farage muss passen. "Sie hören mir nicht zu, oder?", sagt er. Doch, die Frau hat zugehört.

Auch David Cameron muss sich Fragen nach der Immigration gefallen lassen. Er ist ein konservativer Politiker. Alle Tore auf, das wäre sicher nicht seine Politik. Er hatte deshalb versprochen, die Zuwanderung stark einzuschränken. Stattdessen aber sind die Zuwanderungszahlen gestiegen. Vor allem EU-Ausländer kommen verstärkt nach Großbritannien.

Als Cameron vor den Zuschauern sagt, er habe keine Vorhersage über die Zuwanderungszahlen gemacht, rumort es im Publikum. Das haben sie wohl anders verstanden.

Cameron will darauf nicht herumreiten. Es gebe schlechte Einwanderungskontrolle und es gebe gute Einwanderungskontrolle, sagt er. Gut sei etwa, wenn Ausländer erst in die sozialen Sicherungssysteme einzahlten, bevor sie von ihnen profitieren können. So hat er es ja auch mit den anderen EU-Staaten verhandelt. Bleibt Großbritannien in der EU, dann sollen künftig EU-Ausländer erst nach vier Jahren Aufenthalt den vollen Zugang zu den Sozialsystemen erhalten.

Cameron: Vorhersagen treten nicht immer ein

Cameron geht es in seiner Argumentation vor allem um die Wirtschaft. Hier greift er Farage an: Der sei "so versessen darauf, aus der EU auszutreten, dass er bereit ist, dafür Jobs und Wachstum zu opfern". Vorhersagen treten nicht immer ein, gesteht Cameron zu. Aber es gebe einen selten breiten Konsens unter allen Wirtschaftsexperten: Wenn das Land die EU verlässt, wird es schlimm werden für Großbritannien.

Ein Brexit würde den Einfluss des Vereinigten Königreiches in der Welt verkleinern. Großbritannien müsse aber zu den führenden und den Gewinner-Nationen in Europa und der Welt gehören, sagt Cameron. "Die EU verlassen, käme einem Aufgeben gleich", sagt der Premier und versucht damit, an die Ehre der Briten zu appellieren. Denn die Briten, "die geben nicht auf. Wir sind Kämpfer".

Er jedenfalls wolle nicht "das Klein-England von Nigel Farage". Er wolle "ein Großbritannien". Cameron schrumpft Farage - darauf hätte vor diesem TV-Abend auch keiner gewettet.

Ob das alles hilft, die Briten am 23. Juni für einen Verbleib in der EU zu gewinnen? Nach dem Mini-Fernduell jedenfalls sind die Server für die Wähler-Registrierung zusammengebrochen. Die Seite war zeitweilig nicht zu erreichen. Das kann an den Auftritten von Cameron und Farage liegen. Oder einfach nur daran, dass am Dienstagabend um 24 Uhr die Registrierungsfrist abgelaufen ist.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema