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Griechen sollen über EU-Hilfen abstimmen:Die "Feier der Demokratie" hat einen Ruch

Doch das ist nicht ausgemacht. Und hier wird es brandgefährlich. Die Griechen sind frustriert, verzweifelt, zornig. Der zweithöchste Nationalfeiertag im Land ist der "Ochi-Tag", der "Tag des Neins": Er erinnert an das griechische Nein auf ein Ultimatum des italienischen Diktators Mussolini 1940. Am Freitag erst wurde er wieder gefeiert - in diesem Jahr mit wüsten Attacken gegen die Politiker. Erstmals konnte der Staatspräsident die Parade nicht abnehmen, so vergiftet ist die Stimmung. Und so gibt es nicht wenige, die prophezeien, das Referendum werde deshalb scheitern, weil die Griechen der mächtige Drang antreibe, die Regierung zu bestrafen, von der sie sich miserabel geführt fühlen - völlig egal, wie die Frage formuliert sein wird.

Wenn es so käme, spränge das Land über die Klippe. Es zöge Europa hinter sich her, weil es dem Premier gefiel zu zocken. Um seiner selbst willen. Dabei hätte es eine Alternative gegeben, um das Volk anzuhören: Neuwahlen. Die Pasok könnte, wie es ein Großteil der Bürger längst fordert, gemeinsam mit der Opposition eine Regierung der Nationalen Einheit bilden, die dann Neuwahlen vorbereitet. Voraussetzung allerdings wäre ein Rücktritt des Premiers.

"Russisch Roulette"

Aber dazu ist dieser nicht bereit. Papandreou, dessen Partei in jüngsten Umfragen auf nurmehr 15 Prozent kommt, hat bereits mehrmals argumentiert, Neuwahlen inmitten der Krise seien "unverantwortlich". Der Grund: Sie brächten dem Land und Europa "große Unsicherheit". Angesichts des nervenzehrenden Bangens, das dem Land - und Europa - nun über Wochen bevorstehen wird, klingt das allerdings wie ein schlechter Witz.

Ein Referendum kann eine Feier der Demokratie sein. Doch dieses ist es nicht, es trägt den Ruch eines jener narzistischen Egospielchen, das die Griechen in der Politik so satthaben.

Gut möglich auch, dass es zu alledem gar nicht dazukommt, weil die Regierung schon vorher auseinanderfällt. Doch selbst wenn sie die Vertrauensabstimmung am Freitag überleben sollte: Der Weg bis Dezember ist lang, und die Lust auf Rebellion innerhalb der Pasok wächst. Wie auch immer die Sache weitergeht: Griechenland spielt, wie die Zeitung Kathimerini schreibt, russisches Roulette mit dem Revolver, den ihm sein Premier in die Hand gedrückt hat: "Wie immer sind wir selbst unser schlimmster Feind. Und wir sind bewaffnet."