Griechenland:Juristen zeigen Ex-Finanzminister Varoufakis an

Seine Amtszeit als griechischer Finanzminister währte kein halbes Jahr, Anfang Juli trat Yanis Varoufakis zurück. In den Medien ist er weiter präsent. (Foto: Christian Hartmann/Reuters)

Der Vorwurf lautet: "Bildung einer kriminellen Bande". Yanis Varoufakis' Plan, eine Rückkehr zur Drachme per Hacker herbeizuführen, hat ein Nachspiel.

Von Christiane Schlötzer, München

Für die konservative griechische Zeitung Kathimerini ist Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis schlicht "verrückt geworden", weil er geglaubt habe, "ein Hacker allein und dazu sein eigenes Genie" hätten in Griechenland ein Parallelwährungssystem schaffen können. Nach Ansicht einiger griechischer Juristen hingegen hat sich Varoufakis des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht. Sie haben Strafanzeigen gegen ihn gestellt, unter anderem wegen "Bildung einer kriminellen Bande". Die Anzeigen hat jetzt eine Staatsanwältin kommentarlos an das Parlament weitergeleitet. Das müsste vor Ermittlungen Varoufakis' Immunität aufheben.

Unterdessen distanzieren sich frühere Kabinettskollegen von Varoufakis. Innenressortchef Nikos Voutsis sagte, der Ex-Finanzminister habe seine Ideen entwickelt, ohne jemanden zu informieren. Dagegen hatte Varoufakis behauptet, Premier Alexis Tsipras sei früh in seinen Plan eingeweiht gewesen, sich mit Hilfe eines Hackers Zugang zur zentralen Steuerbehörde zu verschaffen. Später habe Tsipras ihn aber nicht mehr unterstützt. Der ehemalige Regierungschef Antonis Samaras fragt nun dennoch nach Tsipras' Verantwortung in dieser seltsamen Affäre.

Auch der bisher unbekannte Hacker, den Varoufakis als "Jugendfreund" bezeichnete, wird von der Justiz gesucht. Der Mann, angeblich ein in den USA tätiger Professor, hatte sich laut Varoufakis bereits "Kontrolle" über das Computersystem der obersten Einnahmebehörde verschafft. Die Software habe er zu seinem Bedauern aber nicht knacken können, weil sie von der "Troika" der internationalen Geldgeber kontrolliert werde. Dem widersprach jetzt auch eine Sprecherin der EU-Kommission. Sie nannte Varoufakis' Behauptung einer solchen direkten Kontrolle aus Brüssel "falsch und unbegründet".

© SZ vom 30.07.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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