Corona-Krise:Griechenland schränkt Feiertagsausflüge ein

Corona-Krise: Sonnenbad am Strand der griechischen Insel Elafinisos. Für die meisten Griechen gelten aber starke Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit.

Sonnenbad am Strand der griechischen Insel Elafinisos. Für die meisten Griechen gelten aber starke Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit.

(Foto: ARIS MESSINIS/AFP)

Die Griechen sollen wegen steigender Corona-Infektionen zum orthodoxen Osterfest zu Hause bleiben. Die Regierung kündigt scharfe Kontrollen an, denn Mitte Mai will das Land die Tourismussaison eröffnen.

Von Tobias Zick

Heiß soll es werden zum orthodoxen Osterfest in Griechenland am kommenden Wochenende, 35 Grad Celsius und mehr werden erwartet, aber allzu sommerlich-unbeschwert wird das Fest nicht werden. Schon Ende vergangener Woche errichtete die Polizei Kontrollpunkte an den Ausfallstraßen rund um Athen und andere Städte - um zu prüfen, ob jene, die ihren Wohnort verlassen, auch wirklich triftige Gründe dafür vorweisen können. Dazu zählen etwa bestimmte berufliche Verpflichtungen, medizinische Notfälle oder Begräbnisse enger Angehöriger. Nicht dazu zählen etwa Besuche lebender Angehöriger in anderen Regionen.

Die Kontrollen würden "rund um die Uhr" durchgeführt, und wer keine Papiere habe, um den Grund seiner Reise angemessen zu belegen, "wird zurück nach Athen geschickt", wie ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AP erklärte. Auch an Fährhäfen und Busterminals wird verstärkt kontrolliert, dass alle, die in eine andere Region aufbrechen, die nötigen Dokumente bei sich tragen.

Es ist ein heikler Moment in der Corona-Pandemie für Griechenland. Landesweit waren am vergangenen Freitag 87 Prozent der Intensivbetten belegt, in der Region Thessaloniki sogar 95 Prozent. Abwasserproben aus der Hauptstadtregion ergaben vergangene Woche eine höhere Belastung mit dem Virus als je zuvor im Verlauf der Pandemie. "Jegliche Lockerung, jetzt, da das Virus überall ist, wird die Infektionen umgehend weiter in die Höhe treiben", sagte die Epidemiologin Vana Papaevangelou auf einer Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums und rief alle Bürger dazu auf, bei den Ostergottesdiensten - die ohnehin nur unter strengen Hygieneauflagen stattfinden dürfen - jeweils zwei Masken übereinander zu tragen und außerdem einen Covid-Selbsttest vor dem gemeinsamen Festmahl mit der Familie zu machen.

Die Regierung setzt alles daran, zu verhindern, dass die Osterwoche zu einem Superspreading-Event wird, bei dem das Virus aus den Großstädten auf die Inseln getragen und dort verbreitet wird. Das könnte die Hoffnung auf eine einigermaßen erkleckliche Tourismus-Saison 2021 zunichtemachen. Die soll am 15. Mai beginnen, und nicht zuletzt deshalb konzentrieren sich die Behörden bei ihrer nationalen Impfkampagne besonders auf die beliebten Sommerurlaubs-Destinationen. "Unsere Inseln haben eine hohe Priorität für uns - und sind eine große Verantwortung", sagte Gesundheitsminister Vassilis Kikilias vergangene Woche bei einem Besuch auf der Kykladeninsel Iraklia. Mehr als ein Fünftel des griechischen Bruttoinlandsprodukts speist sich aus dem Tourismus, jeder fünfte Job hängt davon ab.

Auch Russen müssen nicht mehr in Quarantäne

Zugleich hat die Regierung die Liste der Länder erweitert, deren Bürger bei der Einreise von der Pflicht zu einer siebentägigen Quarantäne befreit werden und stattdessen nur noch einen Impfnachweis oder einen negativen PCR-Test vorlegen müssen. Dazu gehören bereits alle EU-Mitgliedstaaten, Großbritannien, die USA und Israel, neu hinzu kommen Länder wie Australien, Südkorea, Ruanda, Singapur - und Russland, wo Griechenland als Ferienziel in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde.

Die linke Oppositionspartei Syriza wirft der Regierung indes vor, in der Pandemiebekämpfung nicht die richtigen Prioritäten gesetzt zu haben. "Nach sechs Monaten harten Lockdowns sind das nationale Gesundheitssystem und jene, die im Gesundheitssektor arbeiten, weiterhin am Rand des Zusammenbruchs", heißt es in einem Statement der Partei vom Montag. Das Impfen gehe viel zu langsam voran. Zuvor hatte Syriza-Chef und Ex-Premier Alexis Tsipras die Reisebeschränkungen im Inland scharf kritisiert: "Die Bürger werden für ein weiteres Osterfest ihrer Freiheit beraubt", wetterte er.

In einer Online-Kabinettssitzung am Montag sprach Regierungschef Kyriakos Mitsotakis von der "extrem schwierigen Aufgabe", die Rückkehr von Wirtschaft und Gesellschaft in eine gewisse Normalität mit den noch nötigen Gesundheitsschutzmaßnahmen zu vereinbaren. "Die meisten unserer Landsleute verstehen aber offenbar, wie wichtig es ist, Reisen während der Osterfeiertage zu vermeiden", sagte er. Auch hob er "die Reife und Disziplin" hervor, mit der die "schrittweise Öffnung einiger wirtschaftlicher Aktivitäten" vonstattengegangen sei.

Zugleich werde man das Impfprogramm massiv beschleunigen; bis Ende Mai sollen unter den etwa 10,7 Millionen Einwohnern fünf Millionen Impfungen verabreicht sein. Jeder weitere Öffnungsschritt solle mit Tests, Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen begleitet sein, "damit das Land sich öffnet und nicht wieder schließen muss", so Mitsotakis.

© SZ/hum
Zur SZ-Startseite
Coronavirus - Impfzentrum Tübingen

SZ PlusAnsteckungsgefahr
:Wie infektiös sind Geimpfte, Genesene und Getestete?

Wer geimpft ist, gibt das Coronavirus seltener weiter, aber einen vollständigen Schutz gibt es nicht. Ein Überblick über die Risiken. 

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB