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Gregor Gysi:"Man darf nie übersehen, was Sahra wirklich kann"

Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht bei einer Pressekonferenz der Partei "Die Linke" 2012 in Berlin.

Sitzen zusammen für Die Linke im Bundestag: Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Kurz vor dem Linken-Parteitag hat sich Ex-Fraktionschef Gregor Gysi von seiner Nachfolgerin Sahra Wagenknecht und ihrer Idee einer linken Sammlungsbewegung distanziert.
  • Der Berliner Zeitung sagte Gysi, zwar sei Wagenknecht erfolgreich; das müsse man selbstverständlich nutzen. Aber das heiße auf der anderen Seite nicht, dass sie immer recht hätte.
  • Die Linke kommt von Freitag an in Leipzig zum Bundesparteitag zusammen - begleitet von Machtkämpfen und Auseinandersetzungen um den Kurs der Partei.

"Sahra ist keine Göttin, und das weiß sie auch": Gregor Gysi, der Ex-Fraktionschef der Linken, zeigt sich unbeeindruckt von der Sammlungsbewegung, die die Parteipromis Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht planen. Er finde "die Idee eigentlich vernünftig". Trotzdem distanzierte er sich und betonte seine Vermutung, dass daraus "nichts Wesentliches" entstehen werde. Das sagte Gysi im Interview mit der Berliner Zeitung.

Die Linke trifft sich von Freitag an in Leipzig zum Bundesparteitag. Dieser wird von Auseinandersetzungen um den Kurs der Partei überschattet. Zudem gibt es ein Zerwürfnis zwischen der Spitze der Partei und der Führung der Bundestagsfraktion. Die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger stellen sich am Wochenende zur Wiederwahl.

Die Parteiführung lehnt die Idee einer linken Sammlungsbewegung ab, weil sie fürchtet, die Linkspartei damit überflüssig zu machen. Wagenknecht hatte als Startpunkt für die Sammlungsbewegung den September genannt. Sie solle ein Angebot für Menschen sein, "die früher einmal SPD oder auch Grüne gewählt haben, vielleicht auch noch Mitglieder sind, aber mit dem Kurs ihrer Parteien überhaupt nicht mehr einverstanden sind", hatte sie geworben.

Gysi sagt, es handle sich bei den Plänen der Bundestags-Fraktionschefin und des saarländischen Fraktionschefs um eine "Bewegung von oben". Das Problem sei, "dass hier eine Bewegung neben der Linkspartei organisiert werden soll und wir schon längst Gesprächskreise mit Unzufriedenen etwa bei den Grünen oder bei der SPD haben". Zudem hätten Menschen "keine Lust", kleine Abspalter-Gruppen zu unterstützen: "Wenn ich zu einem Gremium gehen soll, in dem ich acht Leute gut finde und zwei nicht, dann gehe ich noch hin. Wenn ich nur zu den zwei gehen soll, dann ist es eher doof."

Da helfe auch die Prominenz und Beliebtheit von Wagenknecht nicht: "Sahra ist erfolgreich. Sahra ist so eine Art Ikone, die in den Medien sehr geschickt und klug auftritt und dabei eigenständige Positionen vertritt. Das muss man selbstverständlich nutzen. Man darf nie übersehen, was Sahra wirklich kann." Das heiße aber nicht, dass Wagenknecht immer recht habe.

Der aktuelle Konflikt in der Linken sei im Gegensatz zu früheren Streits ein inhaltlicher. Er drehe sich um die große Frage: "Beantwortet die Linke die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, eher national oder eher internationalistisch?"

Zu diesen Herausforderungen zählt Gysi die Flüchtlingsdebatte. Er wirbt weiter für die Bekämpfung von Fluchtursachen. Die jüngste Aussage von SPD-Chefin Andrea Nahles bezeichnet er als "Anbiederei nach rechts". Nahles hatte über Flüchtlinge gesagt, "wir können nicht alle aufnehmen". Gysi warnte davor, sich von Rechten Debatten aufzwingen zu lassen. Dem CSU-Vorschlag eines Grundwerte-Unterrichts für Flüchtlinge stimmte er grundsätzlich zu.

Als Erklärung für die Häufigkeit interner Parteikonflikte führte Gysi an: "Die Linken gehen davon aus, dass sie die besseren Menschen sind, weil sie gegen Armut und für den Frieden kämpfen. Ein kleines bisschen stimmt's auch. Deshalb gehen bei uns alle davon aus, dass sie jeweils noch besser sind als die anderen. Damit fangen alle Konflikte an."

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