Ausbildungschiff der Marine Neue Probleme bei Sanierung der "Gorch Fock"

Auf dem Trockenen: die Gorch Fock liegt in einem Dock in Bremerhaven.

(Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)
  • Die Generalunternehmer für die Sanierung der Gorch Fock hat offenbar weit größere finanzielle Schwierigkeiten als bislang angenommen.
  • Die Kosten für die Sanierung des Schulschiffs der Bundeswehr sind explodiert. Dazu hat auch Missmanagement des Verteidigungsministeriums beigetragen.
  • Nun stellt sich die Frage, ob die Werft überhaupt dazu in der Lage wäre, das Schiff fertig zu sanieren.
Von Mike Szymanski, Berlin

Bei der Sanierung des Segelschulschiffes Gorch Fock zeichnen sich neue Schwierigkeiten ab. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat die Elsflether Werft, die als Generalunternehmer für die Arbeiten auftritt, weit größere finanzielle Schwierigkeiten als bislang angenommen.

So belasteten Außenstände etwa bei Lieferanten die Werft. Nach SZ-Informationen geht es um mehr als 20 Millionen Euro, die die Werft Unterauftragnehmern schulden soll. Zudem sei Geld aus Aufträgen wie der Sanierung der Gorch Fock offenbar in eine Reihe fragwürdiger Darlehen geflossen, auf die die Werft so schnell kein Zugriff habe, verlautete aus deren Umfeld. Beides zusammen habe die Werft in eine Lage gebracht, die die Handlungsfähigkeit des Betriebes infrage stelle, hieß es weiter. Eine Insolvenz gilt inzwischen als nicht mehr ausgeschlossen.

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An diesem Mittwoch will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Haushaltsausschuss des Bundestages über die Probleme bei der Sanierung der Gorch Fock informieren. Jahrelanges Missmanagement seitens des Ministeriums hatte dazu beigetragen, dass die Kosten von zehn auf 135 Millionen Euro explodiert sind. Die Zukunft der Gorch Fock steht auf dem Spiel. Von der Leyen hat sich bisher nicht festgelegt, ob die Sanierung bis zum Ende fortgesetzt werden soll.

Nun stellt sich die Frage, ob die Werft dazu noch in der Lage ist. Im Dezember war bekannt geworden, dass es offenbar zu einem Korruptionsfall auf der Werft gekommen war. Ein Preisprüfer der Bundeswehr soll sich bestechen haben lassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nach und nach kamen dazu Untreue-Vorwürfe gegen das alte Werft-Management auf. Es ist mittlerweile abgesetzt worden.

Ein neues Management bemüht sich darum, für Klarheit zu sorgen. Bei Durchsicht der Bücher und in zahlreichen Gesprächen stieß es auf beträchtliche Außenstände bei Lieferanten und Unterauftragnehmern. Ebenfalls in Millionenhöhe seien Kredite von der Werft ausgereicht worden - an Unterfirmen, die zum Teil im Besitz des alten Management waren.

Aus Kreisen des Verteidigungsausschusses in Berlin hieß es am Dienstag, der Werft sei so systematisch und im großen Stil Geld entzogen worden. Dahinter stecke offenbar "erhebliche kriminelle Energie". Betrugsvorwürfe hatte das alte Management bisher vehement zurückgewiesen.

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