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Gespräch in Berlin:AfD und Zentralrat der Muslime: Nicht gesprächsbereit

Spitzenvertreter von Alternative für Deutschland und Zentralrat der Muslime versuchen, miteinander zu reden. Das geht nicht lange gut. Nach einer Stunde kommt es zum Eklat.

Eine knappe Stunde dauerte der Versuch eines Gesprächs. Mehrmals stand das Treffen vor dem Abbruch. Schließlich kam es zum Eklat. Danach reichte es nicht einmal mehr für einen gemeinsamen Auftritt vor den Kameras. Einen Auftritt, bei dem die Spitze der islamfeindlichen Alternative für Deutschland (AfD) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) vielleicht hätten sagen können, dass sie sich nicht verständigen konnten, aber das Gespräch fortführen würden. Stattdessen brach die AfD-Vorsitzende Frauke Petry das Gespräch ab, zu dem der Zentralrat sie eingeladen hatte, verbunden mit der Frage an die AfD: "Warum hassen Sie uns?"

Petry verließ mit ihren Begleitern das Konferenzzimmer im ersten Stock eines Hotels nahe dem Berliner Gendarmenmarkt. Sie wollte nicht vor einer Stellwand mit dem Logo des Zentralrats der Muslime aufgenommen werden, wo die Kameraleute bereits warteten. Ein AfD-Sprecher kündigte ein Statement unten in der Lobby an. Dort begründete Petry den Abbruch. Schnell wurde offenbar, wie deutlich sich die Distanz zwischen den Muslimen und der AfD in kurzer Zeit manifestiert hatte. Der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, bedauerte wenig später, dass die AfD gegangen war.

In der knappen Stunde bis dahin hatten Mazyek und die AfD-Spitze dem Vernehmen nach fast nur über die Frage gestritten, ob sie eine Gesprächsgrundlage finden könnten. Die AfD-Führung stellte die Bedingung, dass der Vorsitzende des Zentralrats Aussagen zurücknimmt, in denen er die AfD in die Nähe des Dritten Reiches gerückt habe. "Darum haben wir mehrfach höflich gebeten", sagte Petry. "Dazu war man aber nicht bereit."Deshalb habe sie das Gespräch beendet.

Frauke Petry greift erneut den Islam an, Aiman Mazyek warnt vor der Partei

Mazyek hatte vor einigen Wochen aus Empörung über die islamfeindliche Haltung der AfD gesagt, es gebe zum ersten Mal seit dem Dritten Reich wieder eine Partei in Deutschland, die eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiere und sie existenziell bedrohe.

In ihrem Statement nach dem Abbruch kritisierte Petry, dass es keinen modernen Islam gebe. Den muslimischen Glauben gebe es ohne die Lehren des Koran und die Scharia nicht, sagte sie. Seine Grundlagen seien nie neu interpretiert worden und "im siebten Jahrhundert stecken geblieben". Deshalb passe der Islam nicht in ein demokratisches Deutschland.

Die AfD-Chefin beklagte zudem, dass der Zentralrat der Muslime unakzeptable Forderungen gestellt habe. "Man hat von uns verlangt, ein demokratisch beschlossenes Parteiprogramm in diesem Gespräch zurückzunehmen", sagte Petry. Der Zentralrat habe das Programm der AfD als verfassungswidrig bezeichnet. Auf ihrem Parteitag in Stuttgart hatte die AfD sich Ende April für ein Verbot von Minaretten und Muezzin-Rufen ausgesprochen. Diese Forderung steht seit dem Parteitag ebenso in ihrem Programm wie die Aussage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre.

Mazyek sagte, er habe die AfD eingeladen, "um miteinander und nicht übereinander zu reden". Die AfD-Spitze sei jedoch nicht bereit gewesen, "auf einzelne umstrittene Punkte einzugehen". So wäre es ihm zum Beispiel um das Ansinnen der AfD gegangen, "uns vorzuschreiben, wie wir unsere heiligen Stätten, unsere Moscheen zu bauen haben". Er habe auch darüber sprechen wollen, dass die AfD das Selbstbestimmungsrecht der Frau, ein Kopftuch zu tragen oder nicht, antasten wolle. Die AfD sei gewillt, den Weg des Populismus weiterzugehen, warnte er. "Wir sehen, dass das eine große Gefahr ist für unser Land", sagte Mazyek, weil es den Frieden empfindlich störe.

Schon vor dem Gespräch hatte Mazyek in einer vorab verteilten Erklärung seine Kritik an der AfD bekräftigt. "Dass eine deutsche Partei in ihrem Programm ganz offiziell Position bezieht gegen eine der Religionsgemeinschaften unseres Landes, das hat uns mehr als bestürzt", beklagte er. Er warf der Partei nach dem Gespräch vor, extremistische islamistische Positionen auf alle Muslime zu übertragen. Die an dem Gespräch beteiligte Generalsekretärin Nurhan Soykan sagte, der Zentralrat habe "der AfD klargemacht, dass wir Angst um Deutschland haben".

© SZ vom 24.05.2016

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