Russisch-georgischer Konflikt Flugstille zwischen Georgien und Russland

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Freitag ein Dekret unterzeichnet, das den Flugverkehr zwischen Russland und Georgien aussetzt.

(Foto: dpa)
  • Am Freitag kam es in der georgischen Hauptstadt Tiflis nach dem Besuch einer russischen Delegation zu Massenprotesten mit mehr als 200 Verletzten.
  • Nun soll der Flugverkehr zwischen den beiden Ländern eingestellt werden.
  • Die Beziehungen von Russland und Georgien sind seit dem Fünf-Tage-Krieg 2008 fragil.

Zwischen Georgien und Russland sollen ab dem 8. Juli keine Passagierflieger mehr verkehren. Nach den Massenprotesten mit mehr als 200 Verletzten in Georgien am Freitag entschied Präsident Wladimir Putin, dass auf unbestimmte Zeit keine russischen Passagierflieger mehr in die frühere Sowjetrepublik fliegen dürfen. Nun sollen auch in die entgegengesetze Richtung keine Maschinen mehr fliegen: Das gilt ebenfalls vom 8. Juli an, wie das Verkehrsministerium am Samstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge mitteilte. Es sei notwendig, "ein ausreichendes Maß an Flugsicherheit zu gewährleisten".

Georgien ist beliebt bei russischen Touristen. Ein Aussetzen der Flüge würde vor allem die Wirtschaft in dem westlich orientierten Land treffen. Im Mai reisten georgischen Statistiken zufolge 113 138 Touristen aus Russland ein, 26 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Sechs russische Fluggesellschaften fliegen nach Georgien. Direkte Flugverbindungen gibt es erst seit 2014 wieder.

Protest Hunderte Verletzte nach Protesten in Georgien Video
Tiflis

Hunderte Verletzte nach Protesten in Georgien

In der georgischen Hauptstadt Tiflis sind bei gewaltsamen Protesten vor dem Parlament mehrere Dutzend Menschen verletzt worden.

Nach dem Besuch einer russischen Delegation im Parlament von Georgien hatten Tausende Demonstranten in der Nacht zum Freitag versucht, das Parlament zu stürmen. Dahinter steht die Sorge, dass Moskau mehr Einfluss in Georgien nehmen könnte. Die Sicherheitskräfte hinderten sie daran. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. 52 davon waren Medienberichten zufolge am Samstag noch im Krankenhaus, mehr als 300 Demonstranten wurden fesgenommen. Moskau beklagte daraufhin eine russlandfeindliche Stimmung in der Südkaukasus-Republik. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind höchst angespannt. Es gibt keine diplomatischen Beziehungen mehr. 2008 hatten Russland und Georgien einen kurzen Krieg gegeneinander geführt.

Die georgische Präsidentin Salome Surabischwili warnte am Samstag vor weiterer Gewalt. Sie sei bereit, mit allen politischen Kräften zusammenzuarbeiten, um ein öffentliches Einvernehmen zu erzielen, erklärte sie in einer vom Präsidialamt herausgegebenen Mitteilung. Die "politische Polarisierung" im Land müsse verringert werden. Es sei leicht zu erraten, wer ein Interesse an Spannungen und einer Destabilisierung Georgiens habe, sagte sie, ohne Russland direkt zu erwähnen.

Politik Georgien Georgien hat erstmals eine Präsidentin

Salome Surabischwili siegt bei Stichwahl

Georgien hat erstmals eine Präsidentin

Die unabhängige Kandidatin Salome Surabischwili setzte sich bei der Stichwahl klar gegen ihren Konkurrenten durch. Dieser hatte angekündigt, im Falle seines Sieges den verurteilten Ex-Präsidenten Saakaschwili zu begnadigen.