Gemälde von Ex-Präsident Bush:"Very simple-minded as paintings"

Bush hat sich, entgegen aller Vorurteile, für harmlosere Formen des transzendentalen Eskapismus entschieden. Das Fahrradfahren. Und die Malerei. Und ähnlich wie als Politiker wird er auch als Künstler aufgrund seiner unbestreitbaren Trottelhaftigkeit unterschätzt. Als Politiker war er deshalb gefährlich. Als Maler sagen Kritiker, zum Beispiel in der Huffington Post, über seine Bilder: "I would just like to point out, they are basically very simple-minded as paintings." Warum also ein Wort darüber verlieren? Abpausen, das kann ich doch auch!

Wer so denkt, für den hier ein kleiner Exkurs: Wie groß ist die Chance eines Käfers, vom Fuß eines Baumes auf ein bestimmtes Blatt zu kommen? Eins zu 100.000, eins zu einer Million? Vom einem bestimmten Blatt aber auf den Boden zu krabbeln, dafür stehen die Chancen ziemlich gut. 1:1. Ideen erscheinen also im Nachhinein immer logisch. Bevor man sie hatte allerdings nicht. Der Satz: Das hätte ich auch gekonnt, ist also ziemlicher Quatsch. Abgesehen davon: Waren Sie einmal US-Präsident? Nur der ehemalige Präsident George W. Bush kann nämlich solche Bilder malen. Und vielleicht ist sogar die Naivität Bushs ein Zeichen seiner Genialität als Künstler?

Der Maler Bush macht sich mit der Strenge mittelalterlicher Kopisten ans Werk. Die Falte auf Putins rechter Wange, die Furchen auf der Stirn von Israels früherem Premierminister Ehud Olmert, die Tränensäcke von Jacques Chirac, Ex-Präsident Frankreichs: All diese Details sind vorhanden. Doch das zentrale Thema der Bilder bleibt die Abweichung zwischen Leben und Bildnissen. Es geht darum, wie falsche Konstruktionen echte Gefühle produzieren können. Warum kopierte Bilder eben nicht nur kopierte Bilder sind. Wie Lüge Wahrheit hervorbringt. Die Lügen des Politikers Bush führten zu zwei Kriegen und sein Land in die Isolation. Die Lügen des Malers Georg W. Bush bergen dagegen Erhellendes.

Putin als grober Klotz

Wir sehen Angela Merkel durch Georg W. Bushs Augen. Das Lächeln ist süffisanter als auf dem Foto, das rechte Auge fast unnatürlich nach oben gezogen. Tony Blair, der frühere britische Premierminister, lächelt auf dem Foto, zeigt Zähne. In Bushs Version ist der Mund geschlossen. Warum? Wirklich nur, weil Zähne schwierig zu malen sind? Und Wladimir Putin! Klar, der ist kantig. Aber so kantig? Bei Bush wird Putins Gesicht zu einem groben Klotz.

The Art of Leadership in Dallas

Wladimir Putin auf einem Bild von George W. Bush.

(Foto: dpa)

Außerdem entzaubert Bush, der Kopist, das romantische Topos vom Künstler, der nur ein Instrument ist, Empfangenes weiterzugeben.

Künstler, in Versuchung geführt von der Idee des romantischen Originalgenies, die meinen, nicht lernen zu müssen, ganz aus sich selbst zu schöpfen, alles bereits zu wissen, sie sind ein Nichts. Sätze voller Wahrheit, Sätze, die sinngemäß von einem der besten Lügner überhaupt stammen: von Quentin Tarantino. Dem Meister des künstlerischen Zitats. Ausgerechnet in George W. Bush hat er einen gelehrigen Schüler gefunden.

Zum Schluss nochmal die New York Times, völlig korrekt zitiert:

"Dass diese Arbeiten von Mister Bush stammen, macht sie komplizierter und nützlicher als ein Objektiv, durch das man die Persönlichkeit und das Erbe des Mannes untersuchen kann, der selbst der größte Unbekannte seiner Präsidentschaft bleiben dürfte."

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