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Geert Wilders' Berater:In Bosmas Welt heißt der neue Faschismus Islam

Dem blondgefärbten Charismatiker aus Venlo hilft er beim Aufbau einer Bewegung, die nur ein Mitglied hat - Wilders - und nur ein Anliegen: den Islam zu bekämpfen. Der Rest ist bekannt, bei der jüngsten Wahl wurde die PVV, die ehemalige "Gruppe Wilders", drittstärkste Partei, toleriert nun die rechte Minderheitsregierung und hält sie de facto in der Hand.

Auch von dieser erstaunlichen Karriere erzählt Bosma in seinem Buch. Im Grunde ist es ein Pamphlet, das inhaltlich wie stilistisch an die Polemiken jener angry conservatives jenseits des Atlantiks erinnert, die die Talkshows auf Fox News bevölkern.

Bosma und die blinde Elite

Der Titel De schijnelite van de valse munters (Die Pseudo-Elite der Falschmünzer) spielt auf das Werk von Jacques de Kadt an, einem Vordenker der niederländischen Sozialdemokratie in der Mitte des 20.Jahrhunderts. De Kadt, ein kommunistischer Renegat, war einer der schärfsten Kritiker des linken wie des rechten Totalitarismus, ähnlich wie der Sozialdemokrat Willem Drees, ein Nachkriegs-Regierungschef, der den niederländischen Sozialstaat aufbaute, der 68er-Bewegung aber extrem kritisch gegenüberstand.

Mit diesen beiden Kronzeugen illustriert Bosma seine Hauptthese: Der neue, genauso gefährliche Faschismus heißt Islam, und die politische Elite steht ihm so hilflos gegenüber wie den Nazis in den dreißiger Jahren. Blind ist diese Elite, weil noch immer die 68er den Kurs vorgeben, Leute, die Multikulti herrlich finden, westliche Werte im Zweifel für die schlechteren halten, den Nationalstaat für etwas Böses und Israel für ein imperialistisches Land. Derweil nagt die "Massenimmigration" am Fundament der westlichen Welt, überschwemmt sie mit ungebildeten, gewaltbereiten Menschen. So weit Bosma.

Dass netto die Zahl der "nicht westlichen" Immigranten in Mitteleuropa stagniert oder abnimmt, lässt er nicht gelten: "Das Schlimme ist doch: In den großen Städten entstehen Zonen, in denen Muslime die Mehrheit stellen, wo sie ihre eigenen Regeln einführen, Gebiete, aus denen Homosexuelle und Juden flüchten müssen."

Israel ist überhaupt das Opfer in Bosmas Denken - und also unantastbar: "Wenn sich der Westen von Israel abwendet, wendet er sich von sich selbst ab." Die Politik in Jerusalem sei übrigens viel zu lasch, das Land müsse weit radikaler auftreten gegenüber seinen Feinden in der arabischen Welt.

"Wir haben nur einen Chef, das ist der Wähler"

Das ist Bosmas Stil: maximale Provokation. Seitenweise zieht er im Buch über die "Dummheit" linker "Gutmenschen" her, diesen "nützlichen Idioten" der Dschihadisten, diesen "Heuchlern", die ihre Kinder am liebsten in ausländerfreie Schulen steckten und an Muslimen "mit ihrem Toyota Prius vorbeifahren".

Er gräbt die in der konservativen US-Blogosphäre sehr beliebte These aus, Hitler sei in Wahrheit ein Linker gewesen, auf jeden Fall kein Rechtsextremer. Aufgrund dieser Annahme hätten sich "die Linken immer moralisch überlegen gefühlt. Es ist die Basis ihrer Weltanschauung, und sie ist falsch."

Auch den Vorwurf, die PVV sei eine undemokratische Führerpartei, weist er zurück: Schon Robert Michels habe gezeigt, dass große Organisationen auf Dauer oligarchische Züge bekämen. Die vermeintliche Demokratie in den Mitgliederparteien sei Fassade. "Wir hingegen haben nur einen Chef, das ist der Wähler."

Und Deutschland? "Ihr wacht gerade erst auf", sagt Bosma und verweist auf die Partei von René Stadtkewitz, deren Gründung Wilders neulich beiwohnte. "Da waren lauter gebildete, schlaue Menschen versammelt." Es fehle nur ein "Fortuyn-Moment".

Dann lacht er, weil ihm eine Pointe einfällt. "Heinrich Heine meinte, wenn die Welt untergehe, müsse man nach Holland, das sei immer 50 Jahre zurück. Inzwischen sind wir euch zehn Jahre voraus."

© SZ vom 17.11.2010/beu
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