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Gebührenfreie Kitas:Nicht nur kostenlos, sondern besser

Die Pläne der SPD, die Gebühren für Krippen und Kindergärten abzuschaffen, sind richtig und berechtigt. Leider sind damit die Probleme nicht gelöst. Es muss mehr und vor allem eine bessere Kinderbetreuung garantiert werden.

Die Pläne der SPD, die Gebühren für Krippen und Kindergärten abzuschaffen, sind richtig und berechtigt. Schließlich ist ja auch der Schulbesuch gratis. Und die Studiengebühren sind so umstritten, dass die Politiker sie streichen, anstatt sich weiter damit unbeliebt zu machen. Warum also soll die Pädagogik im Vorschulalter etwas kosten? Das ist nicht logisch. Die SPD kann mit ihrer Wahlkampfforderung nur auf Verständnis stoßen. Leider aber gibt es zuerst noch dringendere Dinge auf diesem sensiblen Feld zu tun - nämlich mehr und vor allem eine bessere Kinderbetreuung zu garantieren. Das muss Priorität haben.

Eine noch nicht veröffentlichte Studie des Bundesfamilienministeriums zur Erziehung in der frühen Kindheit kommt zu einem besorgniserregenden Ergebnis. Demnach ist die Qualität in vier von fünf der 600 untersuchten Betreuungseinrichtungen allenfalls mittelmäßig. In mehr als der Hälfte der Kitas lernen Kinder zu wenig.

Weitere harte Fakten aus der Welt der Kinder: Alle paar Jahre streiken ihre Erzieherinnen, weil die Bezahlung zum Schämen schlecht ist. Dabei haben sie eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft - nicht nur in der Familie, auch in den Kitas wird der Grundstein für die soziale und emotionale Entwicklung der Kleinsten gelegt. Wenn von August 2013 an der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz gilt, wird es für manche Betreuungseinrichtungen zusätzlich schwierig. Weil die Kommunen Klagen der Eltern fürchten, stopfen sie die Kinderhäuser bis zum Anschlag voll, vergrößern die Gruppen oder verkleinern die Spielflächen, um neu bauen zu können. Dem Wohl der Kinder dient das nicht.

Als ersten Reflex auf die SPD-Forderung nach kostenlosen Kita-Plätzen hat die CDU angeführt, dass für die Gebühren die Länder und nicht der Bund verantwortlich seien. Das ist kein Einwand. Die Eltern interessiert es herzlich wenig, wer wofür zuständig ist. Hauptsache, es kommt überhaupt etwas bei ihnen an. Insgesamt fallen ohnehin immer nur finanzpolitische Argumente gegen eine Gebührenfreiheit; was aber sollen eigentlich die sachlichen Gründe dagegen sein? Der CDU-Sozialpolitiker Heiner Geißler spricht hier vom "kapitalistischen Diktat der Durchökonomisierung unserer Gesellschaft" - und man darf ihm durchaus recht geben.

Schon 1970, als in Rheinland-Pfalz das erste Kindergartengesetz verabschiedet wurde, war es Konsens, dass die Elternbeiträge überall langfristig abgeschafft werden sollten. Das ist bis jetzt versäumt worden. Stattdessen wird von August an das umstrittene Betreuungsgeld ausgezahlt an Eltern, die ihre Kleinkinder nicht in öffentlich geförderte Einrichtungen geben. Angesichts der Studien über die Qualität in Kitas mag man das verstehen. Andererseits könnte mit den Betreuungsgeldkosten von 1,2 Milliarden Euro einiges zum Guten in den Kitas gewendet werden. Danach käme die Gebührenfreiheit. Das wäre eine echte Unterstützung für die Familien.