Friedensnobelpreis für Äthiopiens Abiy Ahmed: "Es ist noch ein langer Weg"

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Selbst politische Gegner gratulieren dem neuen Friedensnobelpreisträger. Für die Vorsitzende des Nobelkomitees ist die Arbeit von Abiy Ahmed in Äthiopien aber noch nicht abgeschlossen.

Der Friedensnobelpreis für den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed Ali wird in seiner Heimat mit Freude aufgenommen. Der prominente Aktivist Jawar Mohamed erklärte: "Das ist eine wohlverdiente Anerkennung für den Ministerpräsidenten." Der Bürgermeister der Hauptstadt Addis Abeba, Takele Uma, nannte den Preis eine Anerkennung für "Frieden, Versöhnung und harte Arbeit".

Abiy Ahmed selbst hält die Auszeichnung für eine Ehre für den gesamten afrikanischen Kontinent. "Das ist ein Preis, der Afrika verliehen wird, der Äthiopien verliehen wird", sagte der 43-Jährige. Er sei sehr froh über die Ehrung. "Ich danke Ihnen vielmals. Ich bin so glücklich und so begeistert über die Nachricht."

Abiy Ahmed wird vom Nobelkomitee vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea ausgezeichnet. Im Juli 2018, kurz nach seinem Amtsantritt, unterzeichnete Abiy gemeinsam mit dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki ein Abkommen, das den 20 Jahre andauernden Konflikt zwischen den beiden Ländern beendete. Tausende politische Gefangene wurden freigelassen und verbotene Parteien wieder erlaubt. Außerdem bekämpfte er die Korruption in Äthiopien und ernannte eine Oppositionelle zur Vorsitzenden der Wahlkommission.

"Frieden erreicht man nicht durch die Taten einer einzelnen Person. Abiy Ahmed bekommt den Preis, weil er eine Hand in Richtung von Eritreas Präsidenten Isaias Afewerki ausgestreckt hat", sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. Sie machte gleichzeitig klar, dass noch eine Menge Arbeit vor dem Geehrten liege. Auch im Inland müsse er viele verschiedene Bevölkerungsgruppen einen. "Es ist noch ein langer Weg", sagte Reiss-Andersen.

Selbst von Abiys Kritikern in Äthiopien gab es Respekt und Anerkennung. "Trotz unserer großen politischen Differenzen gratuliere ich Ministerpräsident Abiy Ahmed", gab sein politischer Gegner Desta Haileselassie in den sozialen Medien bekannt. "Er ließ alle Journalisten frei, er besetzte sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen und ernannte eine großartige Frau als Präsidentin, er schloss Frieden mit Eritrea", schrieb der in Äthiopien geborene Dichter Lemn Sisay und ergänzte: "Er ist Äthiopiens Ministerpräsident und hat heute den Friedensnobelpreis erhalten - ich bin baff."

Bundesaußenminister Heiko Maas richtete seine Glückwünsche an Abiy Ahmed. Dieser habe "in kürzester Zeit Entwicklungen auf den Weg gebracht, die niemand für möglich gehalten" hätte. Sein Mut und seine Weitsicht seien "Beispiel und Vorbild weit über Afrika hinaus".

Auch der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, lobte den Preisträger. Es sei jemand geehrt worden, "der wirklich in den letzten anderthalb Jahren viel gewagt hat".

Ins Leben gerufen wurde der Friedensnobelpreis vom 1896 gestorbenen schwedischen Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. Wer unter anderem "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat", ist für den Stifter der Auszeichnung würdig. 2018 waren der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden.

Abiy Ahmed galt in diesem Jahr als einer der Favoriten. Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg stand bei Friedensforschern und Wettbüros hoch im Kurs. Der Friedensnobelpreis wird im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen nicht in Stockholm, sondern in Oslo vergeben.

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