Französische Konservative Neues Führungstrio soll UMP aus der Krise führen

Sie sollen's richten für die UMP: Alain Juppé, François Fillon, Luc Chatel und Jean-Pierre Raffarin (v. l. n. r.)

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Neuanfang mit alten Granden: In Frankreich bestimmt die konservative UMP drei frühere Premierminister, um die skandalgebeutelte Partei vor dem Zerfall zu bewahren.

Drei frühere französische Regierungschefs sollen die konservative Oppositionspartei UMP aus ihrer schweren Krise führen. Der Parteivorstand bestätigte bei einem Treffen am Dienstagabend einstimmig, dass nach dem Rücktritt der gesamten Parteispitze Ende Mai Alain Juppé, Jean-Pierre Raffarin und François Fillon übergangsweise die Partei führen sollen.

Für November wurde ein außerordentlicher Parteitag angesetzt, bei dem ein neuer Vorsitzender gewählt werden soll. Zum neuen Generalsekretär wurde der frühere Bildungsminister Luc Chatel ernannt.

Hintergrund der aktuellen UMP-Krise ist die Überweisung von Parteigeldern in Millionenhöhe an eine Kommunikationsagentur, die von Vertrauten des bisherigen Parteichefs Jean-François Copé geführt wird. Es besteht der Verdacht, dass mit den Mitteln auf illegale Weise Ausgaben für den - erfolglosen - Präsidentschaftswahlkampf Sarkozys im Jahre 2012 finanziert wurden. Sarkozy bestreitet wie fast alle in der Affäre Verdächtigen, von den zwielichtigen Finanzpraktiken gewusst zu haben. Es gilt sogar als wahrscheinlich, dass er zur Präsidentenwahl 2017 ein politisches Comeback anstrebt.

Hinzu kommt das schwache Abschneiden der UMP bei der Europawahl Ende Mai: Die Partei landete deutlich hinter dem rechtsextremen Front National (FN) auf dem zweiten Platz. Nur zwei Tage später traten Parteichef Jean-François Copé und die gesamte UMP-Führungsriege zurück.

Neben Copé hatten auch die übrigen Mitglieder der UMP-Führungsriege ihren Rückzug angekündigt - unter ihnen auch der jetzt zum Interims-Generalsekretär ernannte Luc Chatel. Mit etwa 200 000 Mitgliedern ist die UMP die größte Partei Frankreichs - noch vor den regierenden Sozialisten von François Hollande.