Französische Elitehochschule Ena Ende einer Kaderschmiede

Die Elitehochschule Ena entstand als Konsequenz aus der nationalsozialistischen Besetzung Frankreichs. Sie sollte Demokraten ausbilden.

(Foto: REUTERS)
  • Die Elitehochschule Ena soll abgeschafft werden, das hat der französische Präsident Emmanuel Macron noch einmal bestätigt.
  • Lange schon sorgt sie bei vielen Franzosen für Unmut, die Menschen halten sie für einen elitären, sich abschottenden Club.
  • Der Direktor zeigt sich schockiert.
Von Jean-Marie Magro

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bestätigte am Donnerstagabend, dass er die Eliteschule Ena abschaffen möchte. Sie ist eine der grandes écoles, eine Kaderschmiede, an der die höchsten Verwaltungsbeamten, Politiker und Unternehmensführer des Landes ausgebildet werden.

Die École Nationale d'Administration, kurz Ena, steht für viele Franzosen stellvertretend für eine abgehobene Elite. Der Chef des Telekommunikationsanbieters Orange und auch der Vorsitzende der Großbank Société Générale, Premierminister Édouard Philippe und Präsident Emmanuel Macron höchst persönlich sind Absolventen. Und das sind nur die jüngeren, mächtigen Persönlichkeiten.

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Drei weitere ehemalige Präsidenten, Valéry Giscard d'Estaing, Jacques Chirac und François Hollande haben ihre Ausbildung an Frankreichs bedeutendster Verwaltungsschule durchlaufen. Sechs frühere Premierminister sind énarques, wie die Absolventen genannt werden.

Angesichts dessen entstanden bald Vorwürfe, dass die Ena ein elitärer Club sei, der sich nach außen abschotte. Bei vielen Franzosen hat die Hochschule daher einen schlechten Stand, bei manchen lässt sich sicher auch von Wut und Hass sprechen. Doch so einfach ist die Geschichte der Ena nicht erzählt.

Reformen sollten die Kritik an der Ena entkräften - vergebens

Die grande école entstand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, in gewisser Weise ist sie ein Kind der Résistance, des Widerstands also gegen die Nationalsozialisten. Sie wurde kurz nach Kriegsende von der Provisorischen Regierung unter Charles de Gaulle gegründet.

Ziel war damals eine demokratische Ausbildung der Spitzenklasse, auf die alle Französinnen und Franzosen gleichermaßen eine Chance haben sollten. Die französische Verwaltung sollte von den besten Köpfen des Landes bestückt werden, ganz egal welcher Herkunft. Die Ena sollte ihre Absolventen zu Humanisten und gerade nicht zu gefühllosen Technokraten formen. Kurz nach ihrer Gründung fanden sich sogar einige kommunistische Schulgänger.

In Frankreich, vor allem auf der Ena, wird sich darum bemüht, die Eliten sehr generalistisch auszubilden. Emmanuel Macron, der vor seiner politischen Karriere Investmentbanker bei Rothschild war, beschäftigte sich im Studium viel mit Philosophie, Poesie und Literatur. Sein noch nicht ganz fertiger Roman soll in einer Schreibtischschublade liegen.

Den Vorwürfen, die Ena böte ein unschlagbares Adressbuch für ihre Absolventen und pflanze sich quasi inzestuös fort, muss sich die Schule schon länger aussetzen. Und das trotz einiger Reformen. Im Jahr 1991 beschloss die französische Regierung, die Schule müsse, um den Föderalismus im Lande zu stärken, von Paris nach Straßburg umziehen. Kritisiert wurde zudem immer wieder, dass Bewerber aus sozial schwachen Familien kaum eine Chance hätten, aufgenommen zu werden.

Alleine für den Aufnahmetest der Ena zugelassen zu werden ist schon sehr anspruchsvoll. Aufgenommen zu werden noch schwieriger. Von 1500 Bewerberinnen und Bewerbern schaffen es gerade einmal 80. Darauf reagierte die Schule vor zehn Jahren, indem sie Vorbereitungskurse, sogenannte classes préparatoires in Paris einführte. Hier lernen die Schüler für den Test. Sie erhalten für die Zeit ein Stipendium und einen Wohnheimplatz. Allerdings sind die Plätze in den Vorbereitungskursen stark begrenzt.

Der amtierende Schuldirektor Patrick Gérard schrieb am Mittwoch in einem Gastbeitrag in der französischen Zeitung Le Figaro, dass seine Schüler und sein Lehrkörper von der Debatte um die Abschaffung schockiert, sogar verletzt seien. Die Ena habe nie das Monopol über den höheren öffentlichen Dienst gehabt.

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