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Frankreichs Präsident in Mali:Timbuktu feiert Hollande als Befreier

Viele Malier sprechen von "unendlichem Dank": Seit drei Wochen ist die französische Armee in Mali im Einsatz, jetzt sonnt sich Frankreichs Präsident Hollande im Glanz des momentanen Erfolgs. In Timbuktu versammelten sich Tausende Menschen und feierten ihn als Befreier.

Fanta Diarra hatte sich in eine französische Flagge gehüllt, um ihrem Befreier zu danken. "Wir, die Frauen von Timbuktu, wir danken François Hollande unendlich", rief die 53-jährige Malierin auf dem zentralen Platz in Timbuktu. Tausende Menschen tanzten dort zu Klängen von Trommeln, die unter den Islamisten verboten waren. Die Stadt war geschmückt mit französischen und malischen Flaggen. Zu den Geschenken, die dem französischen Präsidenten bei seinem Besuch in Mali präsentiert wurden, zählte auch ein Kamel.

Drei Wochen nach Beginn des französischen Militäreinsatzes in Mali besuchte Frankreichs Staatschef François Hollande das westafrikanische Krisenland. Als sich Hollande und der malische Präsident Traoré der Menge präsentierten, fassten sie sich an den Händen und reckten diese gemeinsam empor als Zeichen des Sieges. Erst vor wenigen Tagen hatten französische Soldaten die zuvor von den Islamisten gehaltene Stadt zurückerobert.

Berichte über Gräueltaten

Die Islamisten sollen während ihrer neunmonatigen Herrschaft im Norden bei der Durchsetzung der Scharia zahlreiche Gräueltaten begangen haben. Doch auch der malischen Armee werden Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen. Das Rote Kreuz forderte inzwischen Zugang zu allen während des Konflikts gemachten Gefangenen. Human Rights Watch und Amnesty International verlangen Untersuchungen über angebliche Hinrichtungen.

Es gebe "ernste Vorwürfe" zu Massen-Exekutionen und anderen Menschenrechtsverletzungen durch die malische Armee, erklärte UN-Sonderberichterstatter Adama Dieng. Zudem gebe es Berichte, wonach Angehörige der Tuareg und der arabischen Gemeinschaft in Mali durch die Bevölkerung gelyncht und ihr Besitz geplündert werde, weil ihnen allein wegen ihrer ethnischen Herkunft Unterstützung der Islamisten unterstellt werde, beklagte Dieng. Der UN-Sonderberichterstatter rief die malische Armee auf, die gesamte Bevölkerung unabhängig von Rasse und ethnischer Zugehörigkeit zu schützen.

Hollande spricht von "weiteren Wochen" Krieg

Hollande wollte noch nicht von einem Ende des Einsatzes sprechen. "Seit dem 11. Januar haben wir schon viel Arbeit getan, aber sie ist noch nicht vollständig beendet", sagte Hollande vor der Menge. Obwohl die Aufgabe der Franzosen in Mali noch nicht beendet sei, würden die afrikanischen Staaten den Einsatz bald weiterführen, sagte Hollande. "Es wird noch einige Wochen dauern", sagte er. Ziel sei es aber, die Verantwortung an die afrikanischen Truppen abzugeben. "Es gibt keinen Teil von Mali, der der Kontrolle der legitimen Behörden entgehen darf", sagte Hollande.

Der französische Regierungschef war im malischen Sévaré gelandet. Danach reiste Hollande mit dem malischen Übergangspräsidenten Dioncounda Traoré weiter nach Timbuktu. US-Verteidigungsminister Leon Panetta würdigte die französischen Erfolge. Die Truppen hätten in kurzer Zeit "enorme Fortschritte" erzielt. Die Herausforderung liege nun darin, dafür zu sorgen, dass sich die Sicherheitslage nicht wieder verschlechtere.

Frankreich hatte am 11. Januar militärisch in Mali eingegriffen, um einen Vormarsch der Islamisten zu verhindern, die den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Nach der Rückeroberung wichtiger Städte wie Gao und Timbuktu richten sich die Bemühungen darauf, die letzte Rebellenhochburg Kidal unter Kontrolle zu bringen.

Mali soll kein zweites Afghanistan werden

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte an, dass sich die Bundeswehr mit etwa vierzig Soldaten an der EU-Ausbildungsmission für die Streitkräfte in Mali beteiligen werde. Der Bundestag soll das deutsche Mandat noch im Februar beschließen. Anfang März soll der Einsatz beginnen. Der Bundestag soll laut de Maizière auch über die Unterstützung des Einsatzes französischer Kampfjets mit Tankflugzeugen entscheiden.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wies Befürchtungen zurück, Deutschland könne im afrikanischen Mali in einen weiteren Krieg hineingezogen werden. "Diese Befürchtung kann ich nicht nachvollziehen", sagte der frühere Bundesaußenminister dem Tagesspiegel. Mali sei nicht mit Afghanistan vergleichbar, betonte Steinmeier. Durch das Eingreifen der Franzosen sei vielmehr gerade verhindert worden, dass Mali ein zweites Afghanistan werde. "Ich sehe nicht, dass wir in Mali vor einem erneuten Einsatz von Kampftruppen stehen", sagte Steinmeier.