Frankreichs Marschall Philippe Pétain Der Spott von Pétains Geliebter

1931 wählte ihn die Académie Française zum Mitglied. 1934, als Marschall Lyautey, ein anderer Weltkrieg-I-Held, die Regierung des linken "Kartells" wegputschen wollte, lehnte Pétain jede Zusammenarbeit mit den Putschisten ab.

Plastische Sprüche wie "Ich liebe nur zwei Dinge: die Liebe und die Infanterie" machten ihn noch populärer. Seine strahlenden blauen Augen zogen die Frauen an, er war ein "homme à femmes", der sich noch mit über 80 Jahren "dank Übung" seiner Sexualität rühmte. Eine kürzlich erschienene Monografie des Historikers Hervé Bentégeat mit dem Titel "Pétain und seine Frauen" weiß davon zu erzählen.

Seine, neben Gemahlin Ninie, lebenslange "zweite große Liebe", die Schlossherrin "Jacqueline", genannt Mella, hielt er so sorgfältig vor Ninie verborgen, dass Mella spöttelte "Philippe, Du bist ein Hase, ich frage mich, wie Du den Krieg gewinnen konntest."

Erster Weltkrieg

Wahnsinn Westfront

1916, als die Deutschen in der blutigen Schlacht um Verdun das Fort Douaumont erobert hatten, feuerte er die herangeführten Ersatztruppen mit dem legendär gewordenen Ruf an "Mut! Wir packen sie!" Und sie packten sie - die Deutschen konnten Verdun nicht nehmen.

In der "großen Meuterei" der französischen Armee 1917, als sich an die 100 französische Regimenter mit Antikriegsparolen weigerten, sich in die Schützengräben schicken zu lassen, schaffte er es, durch eine Kombination von Festigkeit und Nachsicht die Ordnung wieder herzustellen. Er ließ an die 50 verurteilte "Rädelsführer" hinrichten, begnadigte aber weit mehr.

So erklärt sich, dass in den letzten Tagen des Juni 1940, wie Historiker Rémond schreibt, "fast kein Franzose nicht von Dankbarkeit erfüllt gewesen wäre gegenüber diesem alten Mann, der ... in einer derart katastrophalen Situation wieder in die Dienste seines Landes trat und diesem seine Person als Geschenk darbrachte", so hatte es Pétain über Radio formuliert.

Gefühlter Glücksfall für viele Franzosen

Den meisten Franzosen erschien er 1940 als großer Glücksfall der Geschichte. In fast religiöser Entrückung fühlten sich viele gar an die Jungfrau von Orléans erinnert, die ihnen im Hundertjährigem Krieg angeblich der Himmel zur Rettung vor den Engländern geschickt hatte.

War diese "divine surprise" (himmlische Überraschung) nicht ein Fingerzeig darauf, dass Gott Frankreich auch diesmal nicht im Stich lassen würde? Und wäre es, so dachten viele, nicht unpatriotisch, frevelhaft gar, gewesen, einem solchen Mann nicht zu vertrauen?

Pétains Gegenspieler Charles de Gaulle bei einer Radioansprache in London während des Zweiten Weltkrieges.

(Foto: dpa)

"Wollt ihr französischer sein als er?", schrieben Vichy-Propagandisten auf Plakate mit dem Pétain-Portrait. Der große François Mauriac verfiel in patriotische Mystik: "Diesen Greis haben uns die Toten von Verdun geschickt." Natürlich aber konnte der neue Erlöser im Juni 1940 nichts an der militärischen Niederlage gegen die Deutschen ändern.

So sprach denn Pétain am 17. Juni über den Rundfunk zu seinem Volk: "Beklommenen Herzens sage ich Euch heute, dass wir den Kampf beenden müssen." Er habe sich an den Gegner mit der Frage gewandt, ob dieser bereit sei, "mit mir, unter Soldaten, nach dem Kampf und in Ehre", Mittel zu suchen, die Feindseligkeiten zu beenden.

Dieses Gesuch um Waffenstillstand war, wie das deutsche im November 1918, schon die verklausulierte Kapitulation. Fast die gesamte französische Armee, insgesamt zwei Millionen Mann, ging in Kriegsgefangenschaft, alle Festungen wurden übergeben, zwei Drittel des Landes standen fortan für vier Jahre unter deutscher Besatzung, für deren Unterhalt die Franzosen aufzukommen hatten: 20 Millionen Reichsmark pro Tag.

Geschichte Wie Hitlers "Blitz"-Mythos entstand Bilder
Frankreichs Kapitulation 1940

Wie Hitlers "Blitz"-Mythos entstand

Mühelos besiegt Hitler-Deutschland im Frühjahr 1940 Frankreich. Der Diktator wähnt den Krieg gewonnen und erlebt den "schönsten Moment" seines Lebens. Doch er hat einen schweren taktischen Fehler gemacht.   Von Oliver Das Gupta, Paris, und Paul Munzinger

Zur Unterzeichnung der Waffenruhe ließ Hitler eigens den Eisenbahn-Salonwagen von 1918 aus dem Museum wieder in den Wald von Compiègne schaffen, in dem die Vertreter des besiegten deutschen Kaiserreichs 1918 die Bedingungen des von ihnen begehrten Waffenstillstands entgegen nehmen mussten.