Parlamentswahl in Frankreich:Emmanuel Macron verfehlt absolute Mehrheit

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Parlamentswahl in Frankreich: Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, verlässt die Wahlkabine. Die Französinnen und Franzosen haben ein neues Parlament gewählt.

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, verlässt die Wahlkabine. Die Französinnen und Franzosen haben ein neues Parlament gewählt.

(Foto: Michel Spingler/dpa)

Bei der Wahl der Nationalversammlung erhält sein Mitte-Bündnis nur 210 bis 250 der 577 Sitze. Für die absolute Mehrheit werden mindestens 289 Sitze benötigt. Die radikalen linken und rechten Kräfte werden gestärkt.

Bei der zweiten Runde der Parlamentswahl in Frankreich hat das Lager von Präsident Emmanuel Macron die absolute Mehrheit verpasst. Dem Institut Inop zufolge kommt Macrons Bündnis "Ensemble" nur auf 210 bis 250 der 577 Sitze. Für die absolute Mehrheit werden mindestens 289 Sitze benötigt.

Das linke Bündnis "Nupes" von Jean-Luc Mélenchon kann mit 150 bis 180 Sitzen im Parlament vertreten sein und damit stärkste Oppositionskraft werden. Die extreme Rechte um Marine Le Pen konnte ihr Ergebnis mindestens verzehnfachen. Statt wie bisher acht Sitze soll sie nun 80 bis 100 Sitze in der Nationalversammlung bekommen. Damit wären die radikalen linken und rechten Kräfte in der neuen Legislatur gestärkt.

Mélenchon griff Macron nach der Wahl scharf an. "Das ist ein totales Debakel der Präsidentenpartei", sagte er in Paris. Es sei eine "Wahlniederlage des Macronismus". Er erneuerte den Anspruch, das Land regieren zu wollen. Der stellvertretende Vorsitzende des rechtspopulistischen Rassemblement National, Jordan Bardella, feierte das Ergebnis seiner Partei. Er sagte dem Sender TF1: "Das ist ein Tsunami." Das französische Volk habe Staatschef Emmanuel Macron zu einem Minderheits-Präsidenten gemacht.

In der zweiten Amtszeit dürfte es für Macron deutlich schwieriger werden, seine politischen Vorhaben - etwa die umstrittene Rentenreform - umzusetzen. Überhaupt warten in Frankreich wichtige Projekte auf die Umsetzung: etwa Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen, viele Menschen hoffen angesichts der steigenden Preise auf Unterstützung der Regierung und viele wollen entschiedenere Schritte in der Klimakrise. Macron muss nun eine Koalition aushandeln, um eine stabile Regierung zu bilden. Diesen Schritt hat es in Frankreich seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Eine Regierungssprecherin sagte, man werde nun mit allen moderaten Parteien sprechen und wende sich an jene, "die das Land voranbringen wollen".

Das Interesse der Bevölkerung an der Wahl war wie schon bei der ersten Wahlrunde schwach. Wie das Innenministerium in Paris mitteilte, betrug die Wahlbeteiligung bis 17 Uhr 38,11 Prozent. Das waren 1,3 Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt bei der ersten Wahlrunde. In einigen französischen Überseegebieten hatte die Wahl wegen der Zeitverschiebung bereits am Samstag begonnen.

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