Fraktionschef der Linken Israel-Kritiker verfolgt Gysi bis auf Bundestagstoilette

"Raus, raus", ruft Gregor Gysi aufgebracht und sperrt die Tür ab: Ein Israel-Kritiker hat den Linken-Chef im Bundestag bis auf die Toilette verfolgt.

Der Zeigefinger erhoben, so verlässt Gregor Gysi das Klo. "Das ist das erste Mal, dass ich auf die Toilette verfolgt worden bin." Der Linksfraktionschef lacht. Es ist ein gezwungenes Lachen.

Wenige Minuten zuvor war er von dem Israel-kritischen Journalisten David Sheen in einem Bundestagsgebäude bedrängt worden. Der Mann lauerte ihm am Montag dieser Woche vor seinem Büro auf, folgte ihm mit einer Kamera bis auf die Toilette und warf ihm vor, ihn öffentlich als Antisemiten bezeichnet zu haben. In Israel sei nun sein Leben bedroht. "Raus, raus mit dir", brüllt Gysi. Doch erst als er, sichtbar aufgebracht, die Klotür hinter sich verschließt, zieht sich auch der Journalist zurück.

Das Video wurde anschließend bei Youtube im Internet veröffentlicht. Gysi weist den Vorwurf zurück, er habe den in Israel lebenden Journalisten als Antisemiten bezeichnet. Der Linksfraktionschef will keine Anzeige erstatten. "Wir wollen daraus keine Staatsaffäre machen", hieß es aus seinem Umfeld.

Gysi selbst reagierte am Dienstag auf die Nachfrage eines Journalisten mit Humor auf den Vorfall: "Ich werde Sie über meine Klo-Besuche nicht unterrichten", sagte er bei einem Pressestatement vor der Fraktionssitzung.

Einladung von Abgeordneten der Linksfraktion

Der Journalist Sheen stammt aus Kanada, lebt und arbeitet aber seit vielen Jahren in Israel. Anwesend war auch ein weiterer Israel-kritischer Journalist und Publizist aus den USA, Max Blumenthal.

Die beiden waren von Abgeordneten der Linksfraktion, Annette Groth und Inge Höger, zu einem Fachgespräch über den Nahost-Konflikt nach Berlin eingeladen worden. Der Fraktionsvorstand lehnte es allerdings ab, dieses Gespräch zu einer Fraktionsveranstaltung zu machen. Begründung: Die Zusammensetzung der Teilnehmer sei zu einseitig. Höger und Groth, die beide an Bord einer türkischen Hilfsflotte für die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas waren, und die Abgeordnete Heike Hänsel, luden die beiden Journalisten daraufhin in das Paul-Löbe-Haus des Bundestages. Dorthin kann jeder Abgeordnete Gäste einladen, die Fraktionsführung kann das nicht verbieten. Im Paul-Löbe-Haus kam es dann zu der geschilderten Szene.

Laut Linkspartei haben sich die drei Abgeordneten, die die Journalisten eingeladen haben, mittlerweile entschuldigt. In einer Pressemitteilung der Linksfraktion heißt es: "Die Fraktion nimmt die Entschuldigung der Abgeordneten Höger, Groth und Hänsel gegenüber Gregor Gysi zur Kenntnis. Gregor Gysi hat diese Entschuldigung angenommen."

Die Fraktion teilt außerdem aber mit, dass man das Agieren gegenüber dem Fraktionsvorsitzenden "auf das Schärfste" verurteile. "Wer uns oder unsere Genossen so feindselig behandelt wie an diesem 10.11., mit dem werden wir nicht kooperieren."