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Fotoprojekt "Soldiers Inventories":Was Soldaten mit sich herumschleppen

Die Ausrüstung hat sich über die Jahrhunderte stark verändert. Eines aber hat ein Soldat immer dabei, zeigt das Fotoprojekt "Soldiers Inventories".

Von Deniz Aykanat

13 Bilder

Thom Atkinson Soldiers Inventories

Quelle: Thom Atkinson/ www.thomatkinson.com

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Für sein Projekt "Soldiers' Inventories" (Die Bestandsliste von Soldaten) hat Fotograf Thom Atkinson die Ausrüstung von Soldaten vom 11. Jahrhundert bis heute fotografiert. Was trägt ein Soldat mit sich herum? Wie ändert sich die Ausrüstung? Seine Bilder zeigen, was angelsächsische Soldaten in den letzten 1000 Jahren bei sich trugen.

Das erste Bild der Serie zeigt die Ausrüstung der Huscarls. So wurden Krieger der Leibgarde skandinavischer Adeliger und Könige genannt. Die wohl bekannteste Schlacht, die eine Huscarl-Armee bestritt, war die Schlacht von Hastings. Im Jahr 1066 standen sich in dem Ort im Südosten Englands das normannische Heer unter Herzog Wilhelm dem Eroberer und die Angelsachsen unter König Harald II. gegenüber. Die Normannen gewannen und bescherten Wilhelm dem Eroberer seinen wichtigsten Sieg bei der Eroberung von England.

Gekämpft wurde mit Schwert und Beil. Zum Zeitvertreib zwischen den Kämpfen durfte aber auch ein Würfelspiel nicht fehlen. Für die Verpflegung hatten die Huscarls Holzlöffel und Teller dabei.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

Quelle: Thom Atkinson/ www.thomatkinson.com

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Mehr als 170 Jahre nach Hastings findet die Belagerung von Jerusalem statt. Es ist das Jahr 1244, Friedrich II. führt seine Soldaten im Sechsten Kreuzzug ins Heilige Land, wo er Jerusalem erobert. Die Krieger zu Pferde tragen damals Kettenhemden, die Waffen unterscheiden sich noch nicht allzu sehr von denen der Soldaten unter Wilhelm dem Eroberer. Ebenfalls zur Ausrüstung gehörten: Utensilien zum Entzünden eines Feuers, wie etwa ein Feuerstein. Und ein Löffel.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

Quelle: Thom Atkinson/ www.thomatkinson.com

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Hier ist das Hab und Gut eines Bogenschützen zu sehen, der 1415 in der Schlacht von Azincourt kämpfte. Auffällig ist die leichte Bekleidung: keine Kettenhemden, lediglich Ketten-Details am Helm. Azincourt liegt in Nordfrankreich. Damals, im 100-jährigen Krieg, standen sich die Truppen von König Heinrich V. von England und König Karl VI. von Frankreich gegenüber. Die Engländer siegten.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

Quelle: Thom Atkinson/ www.thomatkinson.com

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Nun kommen Rüstungen ins Spiel. Während sich Soldaten aus den Zeiten davor mit großen Schilden behelfen mussten, waren bei der Schlacht von Bosworth 1485 bereits Körperpanzer aus Metall etabliert. Diese Rüstung hier bedeckte den ganzen oberen Rumpf inklusive Hals sowie Beine und Arme. Und der Löffel? Ist jetzt auch nicht mehr aus Holz, sondern blitzt silbern.

In Bosworth kämpften König Richard III. und Heinrich Tudor, der spätere König Heinrich VII., in den englischen Rosenkriegen gegeneinander. Richard III starb, er war der letzte englische König, der in einer Schlacht umkam. Die Rosenkriege sind der Rivalität der beiden englischen Adelsgeschlechter York und Lancaster geschuldet. Die abgebildete Uniform ist die eines Yorkisten.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

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Hier ist die Ausrüstung eines englischen Caliverman in Tilbury zu sehen. Im Jahr 1588 warteten englische Truppen dort darauf, die Invasion der spanischen Armada abzuwehren. Erstmals tauchen Schusswaffen in der Ausrüstung auf. Die lange Flinte nennt sich Caliver, daher die Bezeichnung der Soldaten als Calivermen. Schwerter gehören trotzdem noch zu den mitgeführten Waffen.

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1645, englischer Bürgerkrieg: Das Foto zeigt die Rüstung eines Musketiers der New Model Army, der Parlamentsarmee. Sie kämpfte gegen die Royalisten. Die Parlamentarier standen unter dem Kommando von Thomas Fairfax und Oliver Cromwell, die Royalisten unter König Charles I. Interessantes Detail: rechts ein Gürtel mit daran hängenden Schießpulver-Hülsen. Als Kopfbedeckung diente kein schwerer Helm, sondern lediglich ein Hut mit breiter Krempe aus weichem Material.

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Der schreiend gelb-rote Mantel ist die Uniform eines Wachposten während der Schlacht bei Malplaquet 1709 in Belgien.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

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Die legendäre Schlacht von Waterloo 1815 markiert das Ende der Herrschaft von Napoleon über Frankreich. Seine Niederlage wenige Kilometer südlich von Brüssel führte dazu, dass er die von ihm erfundene Krone des Kaisers von Frankreich niederlegte. Auf dem Schlachtfeld standen sich die von Napoleon geführten Franzosen und die britischen Armee gegenüber, die von den Preußen, den Niederländern und mehreren Staaten des Deutschen Bundes unterstützt wurden. Die abgebildete Uniform gehörte einem auf der Seite der Briten kämpfenden Soldaten. Wieder dabei: der obligatorische Löffel. Und ein Brettspiel.

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Die Uniform eines britischen Soldaten des Schützenregiments während der Schlacht an der Alma im Jahr 1854. Die Alma ist ein Fluss auf der Krim, die Schlacht war Teil des Krimkrieges zwischen Russland auf der einen Seite und Frankreich und Großbritannien auf der anderen. Die alliierten Truppen setzten sich gegen die Russen durch. Anders als die Uniformen zuvor ist diese sehr zurückhaltend in schwarz gehalten. Kein Wappen, keine Landesfarben. Dieser Trend setzt sich in den kommenden Jahrzehnten fort und wird in die heute üblichen Tarnfarben übergehen.

Wie jede Soldatenausrüstung seit der Schlacht von Hastings findet sich auch bei dem Schützen von 1854 Persöhnliches. Hier etwa ein Kartenspiel, Bilder der Familie in einem goldenen Etiu und eine Pfeife für Tabak.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

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Dem Wired erzählte Thom Atkinson, dass er die Ausrüstungen vor allem bei sogenannten "Living History Communities" gefunden habe. Das sind Zusammenschlüsse von Menschen, die für einen historischen Zeitraum Rüstungen, historische Gegenstände und Waffen, Kleidung und Gebrauchsgegenstände sammeln und dokumentieren, um damit zum Beispiel "Reenactments" zu inszenieren. Dabei handelt es sich etwa um die geschichtsgetreue Nachstellung einer bestimmten Schlacht. Waffen aus einer bestimmten Zeit zu beschaffen, sei noch das leichteste gewesen, sagt Atkinson in Wired. Schwieriger wurde es, an die kleineren Gegenstände zu kommen. "Das erinnert sehr an Tetris", beschreibt Atkinson seine Arbeit.

Auffällig bei der Ausrüstung dieses britischen Sergeants während der Schlacht an der Somme 1916: die graue Gasmaske. Die Schlacht an der Somme war eine der größten während des Ersten Weltkriegs und die Habseligkeiten des Soldaten zeigen eindrücklich, wie sich die Art der Kriegsführung mit dem Ersten Weltkrieg schlagartig änderte: Es wurde erstmals in einem Krieg Giftgas eingesetzt. Der Einsatz gilt als Geburtsstunde moderner Massenvernichtungswaffen.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

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Das Arsenal an Waffen weitet sich aus. Während über Jahrhunderte hinweg Beile, Messer und Gewehre zu den einzigen Waffen zählten, kommen nun Handgranaten hinzu. Mit der Weiterentwicklung der Waffen etabliert sich auch die Camouflage-Ausrüstung. Je gezielter und präziser Waffen töten können, desto wichtiger wurde es, unerkannt zu bleiben, sich als Soldat zu tarnen. Die Zeiten des direkten Nahkampfes Mann gegen Mann waren vorbei, schwere Rüstungen oder Schilde deshalb nicht mehr nützlich. Das Hemd des Soldaten ähnelt schon stark den Tarnfarben-Stoffen von heute. Hier die Ausrüstung eines Lance Corporal der Fallschirmjäger der britischen Armee zur Schlacht von Arnheim 1944 in den Niederlanden.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

Quelle: Thom Atkinson/ www.thomatkinson.com

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Die Ausrüstung wird erkennbar größer, die Waffen ausgefeilter. Das hängt damit zusammen, dass die Materialien leichter wurden. Herumgeschleppt hat diese Utensilien ein Soldat des Royal Marine Commando der britischen Armee während des Falklandkrieges im Jahr 1982. "Großbritannien verbringt viel Zeit damit, gegen Menschen zu kämpfen", resümmiert Fotograf Atkinson. Beim Falklandkrieg bekämpften sich Argentinien und das Vereinigte Königreich, weil beide Länder Anspruch auf die vor der argentinischen Küste gelegene Inselgruppe der Falklandinseln erhoben.

Thom Atkinson Soldiers Inventories

Quelle: Thom Atkinson/ www.thomatkinson.com

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Die Ausrüstung dieses Mitglieds der Royal Engineers im Krieg in Afghanistan aus dem Jahr 2014 ist hoch technisiert. Der Helm ist mit einer Präzisionskamera und einem Nachtsichtgerät ausgestattet. Der Soldat trägt ein Minensuchgerät bei sich, mehrere Radios, Funkgeräte und ein Tablet-Computer. Bei aller Technik und Präzision: ein Löffel bleibt ein Löffel und wird auch 2014 noch von jedem Soldaten mitgenommen. Diesmal ist er aus Plastik. Bei der Schlacht von Waterloo trugen Soldaten noch ganze Laiber Brot mit sich herum, dazu Butter. Die Mahlzeiten von heutigen Soldaten sieht eher aus wie Essen von Astronauten: komprimierte Nährstoffe, Tuben, Riegel oder Pulver. Die Nahrungsaufnahme soll schnell gehen, unkompliziert sein - und am besten benötigt man dafür weder Strom noch Wasser oder viel weiteres Equipment wie Geschirr oder Töpfe.

Was genau die Soldaten dabei hatten, hat der Telegraph hier aufgelistet.

© SZ.de/dayk/bepe/rus/fie

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