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Flugchaos und Politik:Asche über Europa - Alarm für Aktionisten

Die Politik kämpft mit Folgen der Vulkanasche: Verkehrsminister Ramsauer streitet sich mit Airlines; im Ausland wollen sich Staatsmänner profilieren.

Erst mal die gute Nachricht: Angela Merkel ist heil ins heimische Berlin zurückgekehrt und kündigt eine Regierungserklärung zu Afghanistan an - ergo: die Kanzlerin regiert uneingeschränkt.

Aschewolke Flugverkehr Spanien AP

Nichts geht mehr in Richtung Mitteleuropa: Gestrichene Flüge am Flughafen von Barcelona. Die Aufnahme entstand am 18. April

(Foto: Foto: AP)

Von San Francisco nach Berlin via Lissabon, Rom, Bozen und München, so lautete Merkels Reiseroute, eine Odyssee durch halb Europa, inklusive einer Fahrt im Reisebus. Die Kanzlerin war eines der prominentesten "Opfer" des isländischen Vulkans mit dem zungenverknotenden Namen Eyjafjallajökull.

Seit Tagen spuckt der Feuerberg Asche in den Himmel, die über Europa wabert, was die Airlines aus naheliegenden Gründen hypernervös macht. Ihre Jets bleiben am Boden, das kostet viele Millionen: Der Luftraum ist in weiten Teil des Kontinents gesperrt, kein Kondensstreifen zieht sich über den Himmel, denn da schwirren ja die Aschepartikel, die den Flugzeugturbinen den Garaus machen könnten.

So argumentiert die Deutsche Flugsicherung, darauf beruft sich der Verkehrsminister Peter Ramsauer. Der deutsche Himmel bleibt dicht, bis mindestens Dienstag, zwei Uhr morgens, was Lufthansa und Air Berlin mächtig in Wallung bringt. Sie werfen dem CSU-Politiker vor, sich nur auf Computersimulationen zu stützen. Die Fluglinien berufen sich auf Testflüge, die auf keinerlei Risiko hinweisen.

Grüner nimmt schwarzen Minister in Schutz

Ramsauer wiegelt solche Kritik mit dem Hinweis auf die Sicherheit ab: "Es wäre beinahe zynisch und mit mir politisch nicht machbar, Umsatzeinbrüche gegenzurechnen mit irgendeinem nicht vertretbaren Risiko für Leib und Leben von Passagieren", dröhnt Ramsauer im Deutschlandfunk - und bekommt prompt Zuspruch von ungewohnter Seite. Winfried Hermann, Grüner und Vorsitzender des Verkehrsausschusses, nimmt den strammen Konservativen Ramsauer in Schutz: "Ich stehe absolut hinter dem Verkehrsminister."

Das wird dem seit Amtsantritt nicht immer glücklich agierenden Peter Ramsauer freuen, die Airlines allerdings kaum besänftigen. Immerhin kann der Minister auf die europäischen Nachbarländer verweisen, die derzeit handeln wie er und den Luftraum sperren.

In etwa 30 Staaten mussten Zehntausende Reisende wegen abgesagter Flüge auf Fähren, Züge oder Mietwagen umsteigen oder saßen an Flughäfen fest. Oder sie haben ihre geplanten Trips abgesagt - wie zahlreiche Staats- und Regierungschefs. So fehlten viele der fast 100 Spitzenpolitiker und gekrönten Häupter bei der Trauerfeier für den verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski.

Die Staatschefs Barack Obama und Nicolas Sarkozy bliesen ihre Flüge nach Krakau ebenso ab wie Prinz Charles; Angela Merkel zuckelte mit ihrem Tross ohnehin noch über italienische Autobahnen.

Aschewolke über Europa

Widerspenstig und wunderschön