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Flüchtlingspakt:Erstes Flugzeug mit Flüchtlingen in Hannover gelandet

  • Im Morgengrauen hat Griechenland damit begonnen, Flüchtlinge in die Türkei zurückzubringen.
  • Zwei Schiffe mit insgesamt 202 Menschen an Bord haben die Insel Lesbos verlassen, teilte ein Sprecher des griechischen Krisenstabes mit.
  • Kurz darauf landete in Hannover ein Flugzeug mit den ersten syrischen Flüchtlingen, die aufgrund des Flüchtlingsdeals legal in die EU einreisen durften.
  • Im türkischen Dikili protestieren Anwohner gegen die Ankunft der Migranten.

Jetzt ist er gekommen, der Tag, der Linderung in der Flüchtlingskrise bringen soll, wenn nicht gar die Lösung. Der Flüchtlingspakt zwischen der Europäischen Union und der Türkei greift, die große Verschiebung von Flüchtlingen hat begonnen.

Dieser Montag steckt voller Unsicherheiten, und vor allem auch voller Angst. Weil es am Ende doch um Menschen geht. Monatelang kannten die Flüchtlinge nur eine Richtung. Nur raus aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Nach Europa. An manchen Tagen haben Dutzende Schlauchboote vor Sonnenaufgang an der türkischen Küste in Richtung griechischer Inseln abgelegt, vollgepfropft mit Flüchtlingen und Hoffnungen. Nicht alle Boote kamen an. Die Ägäis ist in diesen Monaten zu einem gigantischen Friedhof geworden.

Nun sind zum ersten Mal zwei Schiffe gegen den Strom gefahren. Von Europa zurück in die Türkei. Busse brachten am Montagmorgen Dutzende Migranten zum Hafen der Insel Lesbos, wie das griechische Fernsehen zeigte. Die Menschen wurden von Beamten der EU-Grenzschutzagentur Frontex begleitet. Das erste Schiff mit 136 Menschen an Bord lief anschließend ins türkische Dikili aus, kurz darauf legte auch das zweite Schiff ab. Insgesamt seien 202 Menschen in die Türkei gebracht worden, teilte der Sprecher des Krisenstabes, Giorgos Kyritsis, im Staatsfernsehen mit. An Bord seien nur Männer. Der Plan der Küstenwache und der EU-Grenzschutzagentur sieht vor, dass bis Mittwoch mehr als 750 Asylsuchende in die Türkei zurückgebracht werden.

Kurz darauf landeten die ersten syrischen Flüchtlinge in Hannover, die legal auf direktem Weg aus der Türkei in die Europäische Union einreisen durften. 16 Menschen kamen am Morgen mit einer Linienmaschine an. Sie werden mit einem Bus zunächst in das Erstaufnahmelager Friedland bei Göttingen gebracht, wie ein Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sagte, der für den Transport verantwortlich ist. Am Mittag werden weitere 16 Flüchtlinge am Flughafen erwartet.

"Ich werde mich ins Meer werfen", sagt ein junger Migrant

Das soll aber nur der Anfang sein. Der im März vereinbarte Flüchtlingspakt mit der Europäischen Union hat zum Ziel, dass die Türkei alle seit dem 20. März in Griechenland angekommenen Migranten zurücknimmt. Für jeden Syrer darunter können die Türken auch einen syrischen Flüchtling in die EU schicken, zunächst bis zu einer Zahl von 72 000 - es gibt mal wieder eine Obergrenze.

Seit sich unter den Flüchtlingen auf den Inseln herumspricht, dass ihre Zeit in Europa nur von kurzer Dauer sein wird, geht dort die Angst um, wieder in die Türkei abgeschoben zu werden. In der Nacht zu Freitag kam es bereits auf der Insel Chios zu schweren Ausschreitungen im Auffanglager und auch in den frühen Morgenstunden des Montags - vor den ersten Abschiebungen - kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und örtlichen Bewohnern. Sie protestierten gegen die geplanten Abschiebungen.

In den vergangenen Tagen sind mehr als die Hälfte der Flüchtlinge aus der Anlage geflohen. 850 sammelten sich im Inselhafen und weigerten sich, zurückgebracht zu werden. "Ich werde mich ins Meer werfen", sagte ein junger Migrant dem griechischen Fernsehen. Viele protestierten gegen die geplanten Rückführungen, sie haben andere Ziele: "Athen, Athen" und "Freiheit, Freiheit", rufen sie. Gerade solche Bilder wollten die Behörden vermeiden. Auf Lesbos rüsten der griechische Staat und seine europäischen Helfer auf. Übers Wochenende verstärkte Frontex sein Personal auf der Insel. Zahlreiche Hotelzimmer seien kurzfristig reserviert worden, heißt es.

Es wird schwierig genug, die Abschiebekandidaten in den kommenden Tagen aus der Menge der Flüchtlinge herauszuholen und für den Abtransport vorzubereiten. Der Hotspot Moria - vor dem Abkommen ein Registrierzentrum samt Notunterkunft, ist zur Abschiebe-Anstalt geworden.

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