Ex-Außenminister kritisiert Merkels Sparpolitik:Fischer schlägt Alarm

Merkel lösche den Brand Europas mit Kerosin: Noch kein früherer Außenminister hat mit der Politik der Nachfolgeregierung so zornig und drastisch, so furios und brutal, so besorgt und alarmiert abgerechnet.

Heribert Prantl

Für die Schärfe dieser Kritik gibt es keinen Vergleich. Noch kein früherer Außenminister hat mit der Politik der Nachfolgeregierung so zornig und drastisch, so furios und brutal, so besorgt und alarmiert abgerechnet. Joschka Fischer wirft der Kanzlerin vor, sie lösche den Brand Europas mit Kerosin.

Das Kerosin in diesem Bild ist die rigide Sparpolitik, die Merkel über Europa verhängt hat. Es wäre Tragödie und Ironie zugleich, klagt Fischer, wenn Deutschland nun, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, "diesmal friedlich und in besten Absichten" Europa ein drittes Mal zugrunde richten würde.

Fischer klagt mit heißem europäischen Herzen, aber nicht mit kühlem Kopf; mit dem Herzen allein kann man Europa nicht retten. Aber er hat recht damit, dass nackte Austeritätspolitik Europa kaputtmacht. Der Grundfehler dieser Politik besteht darin, dass sie ganze Länder, Griechenland als erstes, unregierbar macht. Das weiß Merkel mittlerweile selbst und sie ist dabei, spät umzusteuern, auf die ihr typische Weise, sodass es möglichst niemand merkt.

Letzteres funktioniert diesmal aber nicht. Deutschland, das vom Euro am meisten profitiert, wird sich für ihn und das Überleben der Euro-Zone mit letzter Kraft in die Bresche werfen müssen; es wird selbstschuldnerisch bürgen müssen. Das ist bittere Medizin. Aber wer führen will, weil er muss, darf sich nicht fürchten.

Polens Außenminister sagt, dass er Deutschlands Macht weniger fürchtet als deutsche Untätigkeit. Polen gehört noch nicht zum Euro-Land; das führt dazu, dass auch ein Fischer die Polen übersieht. Berlin und Paris hätten die Zukunft Europas in der Hand, behauptet er. Das ist altes Denken. Polen gehört zu diesem Zukunftsbündnis.

© SZ vom 05.06.2012/fran
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