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Erwiderung auf "Rede zur Lage der Nation":Rubio macht Gott für #watergate verantwortlich

Marco Rubio - Latino-Hoffnungsträger der Republikaner?

Marco Rubio setzte nach seinem persönlichen #watergate auf eine zweistufige Strategie.

(Foto: dpa)

Er ist der Hoffnungsträger der Republikaner, doch von Marco Rubios letzter Rede bleibt nur eines in Erinnerung: ein hastiger Schluck aus der Wasserflasche. Weil der Spott bei Twitter nicht enden will, legt der Senator nach - und macht das Trinken zum neuen Markenzeichen.

Marco Rubio ist ein außergewöhnlicher Politiker. Der 41-jährige Republikaner aus Florida ist nicht nur spanischer Muttersprachler und ein glänzender Redner, sondern er verfügt auch über ein erstaunlich fundiertes Wissen über Hip-Hop (Details hier) und er ist souverän genug, über sich selbst zu lachen.

Noch bevor der Hoffnungsträger des konservativen Amerikas seine Replik auf Barack Obamas "Rede zur Lage der Nation" beendet hatte, gab es bei Twitter nur ein Thema. Rubio hatte nach etwa zehn Minuten zu einer Wasserflasche gegriffen und hektisch getrunken, ohne die Augen von der Kamera zu nehmen. Sofort nutzten Obama-Fans die Gelegenheit, um sich über einen möglichen Präsidentschaftskandidaten im Jahr 2016 lustig zu machen und konstruierten Rubios #watergate (mehr in diesem Süddeutsche.de-Text).

Wer einen weiteren Beweis brauchte, dass es im US-Medienbetrieb keine Nebensächlichkeiten mehr gibt (Hintergründe hier), der hatte ihn gefunden. Rubio, der das Spiel mit den Medien virtuos beherrscht und die Washingtoner Spielregeln kennt, setzte auf eine zweistufige Strategie. Via Twitter veröffentlichte er zunächst ein Foto der Wasserflasche, die ihm so viel Spott eingebracht hatte.

Und nach einer kurzen Nacht zeigte Rubio, den das Magazin TIME jüngst zum "Retter der Republikaner" erklärt hatte, am Mittwochmorgen bei mehreren Auftritten im Frühstücksfernsehen, dass er über sich selbst lachen kann. Bevor Moderator George Stephanopoulos bei "Good Morning America" eine Frage stellen konnte, tauchte Rubio mit einer ähnlichen Bewegung - Augen in die Kamera, Knie einknicken, zum Wasser greifen - ab, um einen kräftigen Schluck zu nehmen.

Lachend klärte Rubio den Sachverhalt: "Ich brauche Wasser gebraucht, was sollte ich machen? Gott hat manchmal eine lustige Art, uns daran zu erinnern, dass wir Menschen sind." Nicht nur dem einflussreichen Stephanopoulos, der einst für Bill Clinton als Berater tätig war, gefiel die Reaktion auf den "Wasserflaschen-Wahnsinn"

Eine ähnliche Strategie zeigte der Senator auch bei einem Gespräch mit dem ihm wohlgesonnenen Moderator von "Fox & Friends": Er hielt eine Wasserflasche in der Hand, trank daraus und prostete dem Publikum zu. Er habe sich dafür entschieden, lieber für diesen Griff zur Wasserflasche ausgelacht zu werden als sich im Rest der Rede schlecht artikulieren zu können. Er habe eben kein Rednerpult gehabt, auf dem sonst ein Wasserglas stets in Reichweite stehe.

Den Rest des Interviews verwendete Rubio darauf, Obama für seine Vorschläge zu kritisieren (Details hier). Dem TV-Sender CBS erklärte der Republikaner, er habe zuvor die 18 Minuten lange spanische Version seiner Rede eingesprochen und schlicht einen trockenen Mund gehabt.

Es sieht so aus, als hätte Marco Rubio mit diesen Auftritten den Wasserflaschen-Wahnsinn gut gekontert - auch er wünscht sich sicherlich, dass mehr über die Vorschläge seiner Rede diskutiert wird als über diesen Fehlgriff. Doch nicht nur USA Today betont, dass dieser Fall erneut zeige, dass es für amerikanische Politiker heutzutage kaum etwas Wichtigeres gibt als schnell reagieren zu können und sich entweder selbstkritisch zu geben oder über die eigenen Schwächen zu lachen.

Das beste Beispiel lieferte jüngst New Jerseys Gouverneur Chris Christie, dessen Leibesfülle immer wieder als mögliches Hindernis für eine Präsidentschaftskandidatur angeführt wird: In der Late-Night-Show von David Letterman verspeiste der Republikaner genüsslich einen Donut und kündigte später an, abnehmen zu wollen.

Linktipps: Mehr über die Biographie und die politischen Ziele von Marco Rubio erfahren Sie in diesem Süddeutsche.de-Porträt.

© Süddeutsche.de/fran
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