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Einsatz in Afghanistan:Bundeswehr befiehlt Bombardement von Aufständischen

Erstmals seit mehr als zwei Jahren ist es im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr zu einem Bombardement durch Kampfflieger gekommen. Ein deutscher Kommandeur hat den Befehl zu dem Einsatz gegen Aufständische gegeben, durchgeführt haben ihn US-Maschinen. Drei Aufständische sollen dabei getötet worden sein.

Erstmals seit mehr als zwei Jahren sind in Nordafghanistan auf Befehl der Bundeswehr Aufständische von einem Kampfjet bombardiert worden. Der Einsatz einer US-Maschine vom Typ A-10 erfolgte am Samstagnachmittag (Ortszeit) nach einem Angriff auf einen Außenposten der afghanischen Streitkräfte bei Isa Khel in der Nähe des deutschen Feldlagers von Kundus. Nach ersten Untersuchungen seien durch den Abwurf einer Bombe keine Zivilisten getötet worden, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr am Sonntag mit. Die afghanischen Streitkräfte vermuteten drei getötete Aufständische. Dies sei aber von der internationalen Schutztruppe Isaf noch nicht bestätigt worden.

Die Unterstützung aus der Luft war von den afghanischen Streitkräften angefordert worden, nachdem sie sich in einem stundenlangen Gefecht nicht gegen die Taliban durchsetzen konnten. Vor dem Bombardement habe der Kampfjet das Gebiet zweimal zur Warnung überflogen, aber keine Wirkung erziel, hieß es aus dem Einsatzführungskommando. Bei dem Einsatz seien alle Regeln und Vorschriften der internationalen Schutztruppe Isaf eingehalten worden.

Luftangriffe sind im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr äußerst selten

Der lokale Polizeichef Ghulam Mohayyuddin sprach von einem dreieinhalbstündigen Gefecht. Angesichts einer großen Zahl von Angreifern hätten Polizei und die afghanische Armee Verstärkung geschickt. Zur Frage der Opfer machte der Polizeichef andere Angaben als die afghanischen Streitkräfte. Er berichtete, vier Aufständische und ein Polizist seien getötet worden. Bei dem Luftangriff selbst hat es nach seinen Angaben keine Opfer gegeben.

Im nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr ist der Waffeneinsatz aus der Luft gegen die Taliban äußerst selten. Laut Einsatzführungskommando schoss zuletzt im Februar 2011 ein von deutscher Seite angeforderter US-Flieger mit seiner Bordkanone auf Aufständische. Am 4. September 2009 bombardierte die US-Luftwaffe auf Befehl des deutschen Oberst Georg Klein zwei Tanklaster, die auf einer Sandbank des Kundus-Flusses festgefahren waren. Klein ging davon aus, dass die Transporter als fahrende Bomben gegen die Bundeswehr genutzt werden könnten. Bei dem Bombardement kamen mindestens 91 Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten.

Mehrere Zivilisten bei weiterem Isaf-Luftangriff getötet

Bei einem weiteren Isaf-Luftangriff in der östlichen Provinz Kunar wurden am Samstag nach Angaben der afghanischen Präsidentschaft 16 Zivilisten getötet. Präsident Karsai erklärte, Angriffe auf Frauen und Kinder verstießen "gegen alle zulässigen internationalen Normen" und er verurteile sie. In der Erklärung hieß es unter Berufung auf Angaben des Provinzgouverneur von Kunar, Schudschaul Mulk Dschalala, bei dem Luftangriff auf ein Fahrzeug im Bezirk Wattapur seien 16 Zivilisten getötet worden. Der Gouverneur hatte zuvor ausgesagt, es seien auch vier Al-Qaida-Kämpfer unter den Toten gewesen. Der Polizeichef von Kunar, Abdul Habib Sayedchil, sprach von zehn getöteten Zivilisten, darunter vier Frauen und vier Kinder. Die Isaf dagegen erklärte, sie habe keine Informationen über zivile Opfer bei dem "Präzisionsangriff", bei dem zehn Gegner getötet worden seien. Im Februar hatte Karsai nach einem Isaf-Luftangriff mit zehn Toten in Kunar afghanischen Truppen untersagt, Luftangriffe anzufordern. Unterdessen wurden bei einem Angriff der Taliban auf ein Gebäude des Geheimdiensts in der zentralen Provinz Wardak mindestens vier Agenten getötet. Zudem seien sechs Angreifer ums Leben gekommen, als sie das Gebäude in Maidan Schahr, der Hauptstadt von Wardak, attackierten, sagte ein Sprecher der Provinzverwaltung. Die Taliban bekannten sich auf ihrer Internetseite zu dem Angriff. Ein Arzt in der Stadt südwestlich von Kabul sprach von mehr als 150 Verletzten.