bedeckt München 26°

Einreiseverbot in die USA:Die Proteste gegen Trump beginnen erst

  • In US-Städten demonstrieren Tausende gegen das neue Einreiseverbot, das Menschen aus Syrien, Libyen, Jemen, Somalia, Irak, Iran und Sudan betrifft.
  • Bei einem Protestmarsch in Washington berichten viele, wie der Erlass ihre Familien zerreißen könnte.
  • Präsident Trump rechtfertigt die Maßnahme. Das Weiße Haus versichert, dass die Besitzer von Green Cards in die USA einreisen dürfen.

Abraham al-Helfi hat einen guten Platz gefunden. Der 39-Jährige steht auf einer Mauer neben dem Lafayette-Platz und blickt von dort auf das Weiße Haus und die Menge zu seinen Füßen. Acht Tage nach dem Women's March wird in Washington wieder gegen US-Präsident Donald Trump protestiert, doch dieses Mal ist die Stimmung düsterer.

"Meine Mama und mein Papa sind KEINE Terroristen. Lasst sie nach Hause kommen", steht auf dem Schild, das Abraham in die Höhe streckt. Der 39-Jährige ist aus Philadelphia angereist, um Trump klarzumachen, welche Folgen dessen Präsidialdekret hat. "Ich bemühe mich seit 2011 darum, dass mein Vater hierherkommen kann. Er ist 78. Meine Mutter hat eine Green Card und besucht ihn gerade in Bagdad - ich habe Angst, dass sie nicht zurückkommen kann", berichtet Abraham, der in der IT-Branche arbeitet.

"Es gehört sich nicht, was da geschieht", sagt er. Dass gültige Dokumente plötzlich wertlos sein sollen, schockiert viele. Dieses Dekret ist typisch für das Chaos der ersten Tage von Präsident Trump - am Sonntag versichert sein Stabschef Reince Priebus, dass die Besitzer einer Green Card nicht betroffen seien. Doch die Verunsicherung bleibt und Abraham fürchtet, dass er nun neue Anträge stellen muss, damit seine Mutter "in ihre Heimat" USA zurück darf. Bisher war Amerika genau das für Familie al-Helfi, doch nun hat Abraham ernste Zweifel. Zugleich schöpft er Hoffnung: Die Solidarität der Mitbürger gibt ihm Kraft und das Gefühl, dass Donald Trump nur für eine Minderheit spricht.

Es sind mehrere Tausend Menschen, die einem Aufruf via Facebook gefolgt sind und unter dem Motto "No Ban, No Wall" vom Weißen Haus bis zum US-Kongress marschieren. Die Sprechchöre kritisieren die geplante Grenzmauer zu Mexiko, machen sich lustig über Trumps Äußeres ("Hands too small, can't build a wall") oder fordern dazu auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Auf Schildern steht "Wir sind alle Muslime", "Ihr gehört zu unserem Land" oder "Flüchtlinge haben Krieg und Verfolgung erlitten. Trump hält nicht mal Witze von Saturday Night Live aus".

Trump stellt eine Studentin vor die Wahl: Uni oder Familie

Solche Sprüche zeigen eine große Kreativität, doch anders als beim Frauenmarsch schildern nun viel mehr Demonstranten ihre eigene Situation. Lames al-Kebsi stammt aus Jemen und studiert im zweiten Jahr an der University of Maryland. Sie hat auf ein Schild geschrieben, vor welch schreckliche Wahl sie das neue Dekret stellt: "Ich will meine Familie sehen, aber ich will auch meinen Abschluss machen. Zwingt mich nicht, zwischen beidem zu wählen."

Lames fürchtet, dass sie kein Studentenvisum mehr bekommt und illegal im Land bleiben muss, um ihre Ausbildung zu beenden. Ein Besuch ihrer Eltern, die in Saudi-Arabien arbeiten, sei vorerst unmöglich, erzählt sie. Auch sie lobt die Solidarität: "Seit Monaten sind die Menschen netter zu mir. Es hat mich erstaunt, wie viele Leute Trump ablehnen und wie gespalten das Land ist, in welche Richtung es gehen soll." Die 19-Jährige trägt Kopftuch und schwärmt vom Women's March: "Das war meine erste Demo, was für ein Erlebnis. Mir war klar, dass heute viele Leute kommen würden."

Trump: Das ist keine antimuslimische Maßnahme

US-Präsident Trump selbst verteidigt sich am Sonntagnachmittag in einer Mitteilung. Der 70-Jährige betont, dass Amerika "weiter Mitgefühl für jene zeigen" werde, "die vor Unterdrückung flüchten, aber wir werden zugleich unsere eigenen Bürger und Grenzen schützen". Er betont, dass sein Vorgänger Barack Obama 2011 sechs Monate lang Visa für irakische Flüchtlinge verweigert und damit einen ähnlichen Schritt gegangen sei. Die sieben - mehrheitlich muslimischen - Staaten seien zuvor von Obama als "Quellen des Terrorismus" identifiziert worden: Es geht um Syrien, Libyen, Jemen, Somalia, Irak, Iran und Sudan.

Wie die meisten Republikaner weist Trump die Darstellung zurück, es handle sich um einen "Bann gegen Muslime", wie die Medien "fälschlicherweise" berichten würden. Es gebe weltweit mehr als 40 mehrheitlich muslimische Länder, die nicht von seiner Direktive betroffen seien. Trump, der diese Maßnahme im Wahlkampf stets angekündigt hatte, formuliert es so: "Hier geht es nicht um Religion - es geht um Terror und darum, unser Land zu schützen."

Auch wenn dieses Statement erst nach dem Protestmarsch publik wird: Es dürfte nur wenige Demonstranten zum Umdenken bewegen. Auf einigen Schildern wird darauf hingewiesen, dass kein muslimisch geprägter Staat auf der Liste stand, in dem die Trump Organization Geschäfte macht ( etwa die Türkei oder die Vereinigten Arabischen Emirate).