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Dresden:"Entscheiden Sie: ist das Kunst oder kann das auch auf den Neumarkt?"

Dagegen nun zieht der Kabarettist Uwe Steimle ins gepflasterte Feld, er sieht in der gegenwärtigen Kunst am historischen Markt eine Bevormundung, die er kommentieren möchte. Steimle ist zum Einen eine Ikone volkssächsischen Humors, er ist zum Anderen zuletzt immer wieder mit drastischen und teils irrlichternden Aussagen über "die Obrigkeit" aufgefallen und was er sonst noch für verkommen hält. Das macht ihn gegenwärtig zu einer Ikone speziell derer, die sich in grundsätzlicher Weise forhohnebibelt fühlen, so und nicht anders wird es hier benannt, wenn sich jemanden zum Narren gehalten fühlt. Steimle sucht nicht unbedingt die Nähe zu diesen Fans, er lässt sie jedoch zu.

Am Montag spricht er davon, sein Werk "Rischdsche Gunsd" sei ein Gegendenkmal, auch ein "Fühlmal", es gehe ihm um weite Herzen und es gehe am Tag der Befreiung um: nie wieder Krieg. "Wenn's um den Weltfrieden geht, kann man gar nicht besorgt genug sein", sagt Steimle.

Diese Botschaft dringt nur durch als eine von vielen. Zu den anderen gehört die Deutung im Beobachtungsrund, Steimles Werk deute an, der ebenfalls streitumflochtene Dresdner Fernsehturm werde erst renoviert, "wenn die Moslems in der Überzahl sind". Zu den anderen Botschaften gehört auch eine gewisse Verachtung von Kunst überhaupt. Die Werke I und II waren von einigen als "Schrottkunst" bezeichnet worden, nun fordert Steimle per Flugblatt zu Nummer III auf, "Entscheiden Sie: ist das Kunst oder kann das auch auf den Neumarkt?"

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Die Bus-Skulptur vor der Frauenkirche ist ein brachialer Bruch mit der barocken Altstadt - und mit der Art, wie Dresden mit seiner Vergangenheit umgeht. Gut so. Es ist Zeit, sich der Realität zu stellen.   Kommentar von Antonie Rietzschel

"Bald soll ja noch ein Flüchtlingsboot hierhin kommen"

Diese Frage stellt sich nicht, der Turm verschwindet nach nur zwei Stunden. Am Rand des Neumarktes wächst da schon die nächste Kunstkritik. "Bald soll ja noch ein Flüchtlingsboot hierhin kommen", deutet eine Frau einer anderen. Antwort: ein scheeler Blick, und eine Nachfrage der Kategorie Sicher-ist-sicher: "Aber nur symbolisch, oder?"

Dieser Vormittag gibt auch einen Vorgeschmack, nämlich auf den Abend, an dem der Neumarkt ein weiteres Mal als Bühne dienen soll, in diesem Fall für den Kreisverband Dresden der AfD sowie Pegida. Eine gedankliche Nähe zwischen Partei und Bewegung war nie von der Hand zu weisen und wurde von den Akteuren auch nicht verneint, uneindeutiger fällt die Chronologie gegenseitiger Avancen aus.

Pegida suchte vergleichsweise konstant die Nähe zur AfD, im November etwa rief Lutz Bachmann über Lautsprecher in den Montagabend: "Das sind deine Wähler, Frauke". In der Gegenrichtung schien die Nähe oft direkt an den wechselhaften Zuspruch für Pegida gebunden zu sein. In der Höchstphase der Bewegung Anfang 2015 gab es ein Treffen mit der sächsischen AfD-Landtagsfraktion, deren Vorsitzende Frauke Petry ist. Petry betonte danach zwar, dass Partei und Bewegung auf unterschiedlichen Ebenen arbeiteten, sie betonte aber auch das Offensichtliche: "inhaltliche Schnittmengen".

Für diesen Montag nun blieb ein Kommentar Petrys bislang aus. Zu kommentieren aber gäbe es durchaus etwas: Vergangene Woche verkündete ein rangtiefer AfD-Funktionär bei Pegida eine Art Schulterschluss Bewegung und Partei. An diesem Montag nun hat Pegida für 18.30 Uhr auf den Neumarkt geladen, die AfD für 20 Uhr. Pegida bewirbt den Abend als gemeinsame Veranstaltung, der Kreisverband der AfD tut dies nicht.

Auf ein ähnliches Publikum zielen beide Veranstaltungen in jedem Fall. Und auch ein Schulterschluss wäre symbolisch hier auf dem Neumarkt nicht überraschend, jenem Platz, auf dem es ja noch für knapp zwei Jahre stehen wird, das "Denkmal für den permanenten Neuanfang".

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