Sturm aufs Kapitol:"Ich bin der verfluchte Präsident, bringt mich zum Kapitol"

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Sturm aufs Kapitol: Donald Trump auf einem Bildschirm während der Anhörung zur Kapitol-Attacke.

Donald Trump auf einem Bildschirm während der Anhörung zur Kapitol-Attacke.

(Foto: MANDEL NGAN/AFP)

Eigentlich sollte es erst im Juli wieder eine Anhörung des Untersuchungsausschusses zur Kapitol-Attacke geben. Doch dann wurde plötzlich eine neue Sitzung anberaumt - mit einer Zeugin, deren Aussagen es in sich haben.

Der frühere US-Präsident Donald Trump wollte am 6. Januar vergangenen Jahres einer Ex-Mitarbeiterin zufolge trotz massiver Sicherheitsbedenken selbst zum Kapitol fahren, wo der Kongress die Wahl seines Nachfolgers Joe Biden beglaubigen sollte. Auch die Sorge vor möglichen rechtlichen Konsequenzen habe Trump nicht davon abbringen lassen, schilderte Cassidy Hutchinson, die damalige Assistentin von Trumps Stabschef Mark Meadows, bei einer öffentlichen Anhörung des Untersuchungsausschusses zur Kapitol-Attacke.

Während der Kundgebung vor dem Weißen Haus am 6. Januar - unmittelbar vor der gewaltsamen Erstürmung des Kapitols durch seine Anhänger - sei Trump noch davon ausgegangen, dass er persönlich zum Kapitol fahren würde, schilderte Hutchinson.

Als dem Präsidenten bei der Abfahrt von der Kundgebung von seinem obersten Personenschützer des Secret Service gesagt worden sei, dass er aus Sicherheitsgründen nicht zum Kongress fahren könne, sei er sehr "wütend" gewesen. Unter Berufung auf ein Gespräch mit einem Kollegen und dem zuständigen Secret-Service-Beamten unmittelbar nach dem Vorfall schilderte Hutchinson, dass Trump im gepanzerten SUV sogar versucht habe, dem Fahrer ins Lenkrad zu greifen.

Er soll demnach gesagt haben: "Ich bin der verfluchte Präsident, bringt mich zum Kapitol." Der Personenschützer habe ihn am Arm gepackt, um ihm vom Lenkrad fernzuhalten, schilderte sie weiter. Trump habe seinen freien Arm genutzt, um sich zu wehren. Trump hatte seine Anhänger während der Kundgebung vor dem Weißen Haus am 6. Januar dazu angestachelt, zum Kapitol zu marschieren. Er sagte damals auch öffentlich, dass er kommen werde. In der Folge gab es mehrere Berichte, dass Trump tatsächlich zum Kapitol kommen wollte - bislang aber keine Bestätigung aus Trumps damaligem Führungszirkel.

Teller voller Essen gegen die Wand

Hutchinson schilderte überdies, dass Trump vor Wut über ein Interview des damaligen Justizministers zur Präsidentenwahl 2020 einen Teller mit Essen gegen die Wand geworfen habe. Sie habe ihr Büro im Dezember verlassen und sei zum Speiseraum im Weißen Haus gegangen, sagte Hutchinson.

Zuvor habe der Präsident ihren damaligen Chef Meadows dorthin zitiert. Der Kammerdiener "gab mir ein Zeichen, hereinzukommen, und zeigte dann auf den vorderen Teil des Raumes, in der Nähe des Kaminsimses am Fernseher, wo ich zuerst bemerkte, dass Ketchup an der Wand heruntertropfte", schilderte sie. Auf dem Boden habe ein zerbrochener Porzellanteller gelegen.

Der Diener habe ihr dann erzählt, dass Trump so sauer über ein Interview des Justizministers William Barr gewesen sei, dass er sein Mittagessen gegen die Wand geworfen habe. Barr hatte in dem Interview gesagt, dass es keine Beweise für weit verbreiteten Wahlbetrug gebe. Hutchinson sagte am Dienstag vor dem Ausschuss detailliert über ihre Erlebnisse im Weißen Haus aus und sprach auch über die Ereignisse rund um den 6. Januar 2021. Das Gremium im US-Kongress arbeitet die Attacke auf das Kapitol derzeit auf.

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Ex-Mitarbeiterin Cassidy Hutchinson schildert, wie irre ernst Donald Trump offenbar der Machterhalt war. Er soll etwa einem Fahrer ins Lenkrad gegriffen haben, damit der ihn zu den Ausschreitungen ans Kapitol bringt - wo der US-Präsident sich an die Spitze einer gewalttätigen Bewegung stellen wollte.

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