Die Linke: Streit um Klaus Ernst:Ramelow kritisiert "Kampagne"

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Dem Parteichef dürfe kein persönlicher Vorwurf gemacht werden, stattdessen müsse die Bezahlung der Parteispitze generell überprüft werden: "Eine Partei, die von sich behauptet, anders zu sein als alle anderen, sollte sich bei der Bezahlung ihrer Vorsitzenden vielleicht nicht an allen anderen orientieren", sagt Wawzyniak.

Ramelow-Beobachtung auf dem Prüfstand

Rivalen: Parteichef Klaus Ernst und der Thüringer Spitzenlinke Bodo Ramelow.

(Foto: dpa)

Der Thüringer Linke Bodo Ramelow beklagt, seine Partei habe "für jeden Mitarbeiter einen Tarifvertrag abgeschlossen. Nur bei den Spitzenleuten ist nichts geregelt." Es sei eine "alte Lebenslüge" der Vorgängerpartei PDS, "an dieser Stelle keine Klarheit zu schaffen". Es müsse "ein ehrlicher Umgang mit der Bezahlung her", sagt Ramelow zu sueddeutsche.de: "Wir brauchen klare Verhältnisse."

"Mehr wert als die Almhütte"

Wie viele andere Genossen bezweifelt Ramelow allerdings, dass der Streit um Klaus Ernst mit einer Neuregelung der Bezüge beendet wäre. Dazu könnte es am 6. September kommen, wenn der Parteivorstand mit den Landesverbänden "die Verständigung suchen und die gefassten Beschlüsse zur Hauptamtlichkeit erläutern" will, wie es in einer Mitteilung heißt.

Ramelow befürchtet vielmehr, dass hinter der "Kampagne" gegen Klaus Ernst persönliche Motive der Kritiker stecken: "Ich höre jetzt einige Stimmen, die schon damals in Rostock nicht zufrieden waren." Auf dem Rostocker Parteitag im Mai war Ernst mit 74,9 Prozent gewählt worden - im Vergleich zu Gesine Lötzsch (93 Prozent) ein eher schwaches Ergebnis.

Obwohl Ramelow, wie Ernst ein Westdeutscher in der ostdeutsch geprägten Partei, als möglicher Nachfolger des derzeitigen Parteichefs gehandelt wird, stellt sich das Mitglied des Thüringer Landtags hinter seinen Spitzengenossen - und kokettiert mit seinem eigenen Vermögen: "Ich besitze ein kleines Ferienhaus in Thüringen, das mehr wert ist, als Klaus Ernst in seine Almhütte gesteckt hat."

Im Gegensatz zu Ernst fahre er allerdings keinen Porsche, räumt Ramelow ein. Ihm genügt ein Škoda Roomster - ein Kleinwagen mit großer Klappe.

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