Flüchtlinge in Deutschland "Ich hab' Angst, dass die Deutschen gar nichts mehr zu sagen haben"

Fragt man ihn, was mehr Flüchtlinge daran ändern würden, bremst er kurz. "Schlimm ist es schon mit Syrien. Sieht aus wie Berlin '45", sagt er. "Aber wenn's dann heißt, die wollen alle in Arbeit stecken - das seh' ick nicht ein." Drei Millionen Arbeitslose, sagt Sabine Fritze. "Ich hab' Angst, dass die Deutschen gar nichts mehr zu sagen haben. Nur die Ausländer. Auch die, die Schwierigkeiten machen." So wie diese jungen Leute, die letztes Jahr in einen Keller eingestiegen sind und Streit angefangen haben. Dietmar Liersch hatte "Gott sei Dank noch nie einen Ausländer im Haus", erzählt er. Aber er hat Angst, dass mal einer kommt. "Nicht, dass noch einer die Tür eintritt." Jetzt schaltet sich Elke Eckert ein, sie ärgert sich. "Ach Dietmar", sagt sie. "Ich hab' da keine Angst."

Else Eckert ist 87 Jahre alt, ihr Mann war Leiter des Post- und Fernmeldeamtes und wie sie in der SED. Zu ihrer Rente hat sie noch die Witwenrente und lebt davon nicht schlecht, wie sie findet. "Wir haben eine schöne Wohnung, wir können einteilen, und mich hat noch keiner belästigt." Die Deutschen seien im Übrigen nicht unschuldig an der Flüchtlingskrise. "Wenn sie den Amerikanern hinten reinkriechen, die Länder kaputt machen, gehen die Menschen eben dahin, wo sie Ruhe finden."

Harald Weichsler aber überzeugt das nicht. "Es ist eine Schande", sagt er. Sollen doch der Bundespräsident Flüchtlinge aufnehmen oder die Grünen, "die haben doch alle ein großes Haus". Ungerecht sei das. "Ich hab' ein Leben lang eingezahlt. Und einer, der so daherkommt und nichts eingezahlt hat, soll das Gleiche kriegen." Auch Gysi wolle dagegen nichts unternehmen. "Ich bin am Überlegen, ob ich eine andere Partei wähle." Welche? Am Tisch macht sich Gemurmel breit. "Viele sind am Überlegen, ob sie NPD wählen, wenn immer mehr reinkommen", sagt Harald Weichsler. Er selbst weiß es noch nicht, mal sehen. "Ich überlege auch noch", sagt Sabine Fritze. "Bis Zwosiebzehn ist ja noch Zeit."

Flüchtlinge an Grenzübergängen

Gedränge um Züge, Fahrkarten und Busse

23 Prozent der Linken-Wähler haben angeblich Angst vor Flüchtlingen

Denen ganz oben in der Linken sind solche Gemütslagen nicht verborgen geblieben. "Es kommen sehr viele Mails", sagt Sahra Wagenknecht, die Vize-Fraktionschefin der Linken im Bundestag. "Keiner kümmert sich um uns, alle reden nur noch über Flüchtlinge", sei da oft die Botschaft. "Das wird irgendwann kippen, da habe ich große Sorge." Statt Sparpakete zu schnüren müsse mehr in Wohnungen und Schulen investiert werden und die Reichensteuer her. "Es muss auch verhindert werden, dass Flüchtlinge als Lohndrücker eingesetzt werden", sagt sie. "Diese Ängste gibt es ja, und sie sind nicht unberechtigt."

Dass solche Sätze geeignet sind, die Sorgen noch zu befeuern, weist Wagenknecht von sich. Andere betonen, nach einer Umfrage hätten 23 Prozent der Linken-Wähler Angst vor zu vielen Flüchtlingen, bei der Union seien es 42 Prozent. Nur auf andere zu zeigen reicht nicht, meint Außenpolitiker Stefan Liebich. "Es sind auch unsere Wähler, die besonders viel Angst vor Flüchtlingen haben." Die Linke müsse da "klare Antworten" finden. "Wenn wir dem nachgeben, sind AfD und andere finstere Gesellen die Profiteure." Wie die Antworten aber lauten, lässt er offen. Es wird noch nachgedacht.