SZ-Serie "Schaffen wir das?", Folge 3:"Schneller und aus einer Hand"

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(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Eine Ausländerbehörde, die Mitarbeiter, Geflüchtete und Helfer zufriedenstellt: Über den Versuch der Stadt Krefeld berichtet Dezernent Markus Schön.

Interview von Jana Anzlinger

Eine Ausländerbehörde, die Mitarbeiter, Geflüchtete und Helfer zufriedenstellt: Das war der Plan in Krefeld. Die Stadt hat ihre Verwaltung seit 2015 so umgekrempelt, dass Geflüchtete alles aus einer Hand bekommen. Integration gehört jetzt zu den Aufgaben der Ausländerbehörde. Selbst der Krefelder Flüchtlingsrat, bekannt für seinen kritischen Blick, lobt den Umbau. Das neue Amt gehört zum Dezernat für Bildung, Jugend, Sport, Integration und Migration, das Markus Schön leitet.

SZ: Herr Schön, was haben Abschiebungen, Jobcenter und Kitas miteinander zu tun?

Markus Schön: Die Fachbereiche in meinem Dezernat sind eine bunte Mischung. Aber sie alle betreffen unmittelbar die Menschen und ihr Zusammenleben. Früher war die Ausländerbehörde im Ordnungsdezernat, das kommunale Integrationszentrum im Schulbereich und die Asylsozialarbeit im Sozialamt. Drei verschiedene Stellen waren zuständig. Nachdem 2015 so viele Geflüchtete angekommen waren, sollte der ordnungsrechtliche Teil der Migration, also alles, was mit Aufenthaltsrecht zu tun hat, mit integrativen und sozialen Aspekten verbunden werden. Flüchtlingspolitik ist Sozialpolitik. Die Behörde sollte Flüchtlinge nicht mehr als Verwaltungsfälle behandeln, sondern als Menschen.

Integration in Deutschland

Dieser Text ist Teil der SZ-Integrationsserie "Schaffen wir das?". Alle Folgen der Serie finden Sie hier.

Früher hatte die Krefelder Ausländerbehörde einen schlechten Ruf. War das der Grund, sie so stark umzubauen?

Vor dem Umbau warfen Kritiker ihr eine harte Gangart vor und Entscheidungen, die oft nicht im Sinne der Betroffenen waren. Die Bearbeitungszeit war lang. Menschen standen die halbe Nacht Schlange, um vormittags dranzukommen. Wegen dieses Rufs wollte da niemand arbeiten. Der Umbau hat ein politisches Signal gesetzt, und wir konnten die freien Stellen wieder besetzen. Das neue Team ist jung und hochmotiviert.

SZ-Serie "Schaffen wir das?", Folge 3: Markus Schön, 38, ist seit Mai 2018 in Krefeld Dezernent für Bildung, Jugend, Sport, Migration und Integration. Vorher leitete der Sozialdemokrat die Jugendämter in seiner Heimatstadt München und etwa ein Jahr lang in Krefeld.

Markus Schön, 38, ist seit Mai 2018 in Krefeld Dezernent für Bildung, Jugend, Sport, Migration und Integration. Vorher leitete der Sozialdemokrat die Jugendämter in seiner Heimatstadt München und etwa ein Jahr lang in Krefeld.

(Foto: Christian Kaufels/oh)

Die neue Struktur sollte auch die Abläufe verbessern. Hat das geklappt?

Die Fälle werden jetzt schneller und aus einer Hand bearbeitet. Wir schauen bei jedem Geflüchteten sowohl auf die Aufenthalts- als auch auf die Integrationsperspektive. Wir sorgen zum Beispiel dafür, dass Kinder bald in Kita oder Schule kommen. Bei Erwachsenen kümmern wir uns darum, dass sie schnell Sprachkurse besuchen oder sich in den Arbeitsmarkt integrieren können. Hier arbeiten wir hervorragend mit Volkshochschule und Jobcenter zusammen, die auch in die Zuständigkeit meines Dezernats fallen. Übrigens, umgebaut wird auch: das Gebäude, in dem das Amt für Migration und Integration sitzt. Es soll ein schönes, modernes Kundencenter werden mit einem ansprechenden Eingangsbereich. Dort wollen wir den Menschen schnell aufzeigen, wo wir ihr Anliegen effizient bearbeiten.

In Krefeld sind seit 2015 etwa 4500 Geflüchtete angekommen. War es nötig, alleine für diese Menschen das ganze Dezernat umzukrempeln?

Der Umbau kommt nicht nur Geflüchteten zugute. Ein Drittel aller Krefelder hat ausländische Wurzeln. Das prägt die Stadt. Und: Unser Dezernat hat auch in der Sozial- und Bildungspolitik weiterhin alle Bürger im Blick.

In Krefeld mag diese neue Struktur funktionieren. Aber ist das Konzept auch auf größere Städte übertragbar?

Ich habe früher in der Münchner Verwaltung gearbeitet. Die Strukturen dort könnten durchaus auch so zusammengeführt werden. Einige große Städte, Düsseldorf zum Beispiel, haben mit unserem vergleichbare Konzepte bereits durchgesetzt. Die Stadt Wuppertal hat ein riesiges Bürogebäude umgebaut und dort alle für Ausländer zuständigen Behörden untergebracht. Ich glaube, dass gute Verwaltungspolitik für die Integration der Geflüchteten sehr wichtig ist. Wenn es gelingt, die Verwaltung gut zu organisieren, dann schaffen wir das.

  • Merkel hat vor drei Jahren gesagt: "Wir schaffen das!" Was ist aus den Flüchtlingen geworden, die seit 2015 geblieben sind? In der Serie "Schaffen wir das?" gibt die SZ jede Woche Antworten.

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