Demonstrationen in Russland 100 Kreml-Gegner festgenommen

Sie riefen "Russland ohne Putin!" und "Freiheit!": Die russische Polizei hat mehr als 100 Demonstranten festgenommen - darunter eine 82-Jährige.

Ein Großaufgebot der russischen Sonderpolizei OMON hat am Sonntag bei einer nicht genehmigten Oppositionskundgebung mehr als 100 Kreml-Gegner vorübergehend festgenommen. In Polizeigewahrsam kam auch die 82 Jahre alte Menschenrechtsaktivistin Ljudmila Alexejewa, die bereits am Silvesterabend gewaltsam abgeführt worden war. Sie ist gemeinsam mit Andrej Sacharow eine der Mitbegründerinnen der Helsinki-Gruppe, die sich für die Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards in der Sowjetunion einsetzte und heute in Russland weiter aktiv ist.

Eine Demonstrantin in Moskau wehrt sich gegen ihre Festnahme.

(Foto: Foto: dpa)

Auch der frühere Vize-Regierungschef und Regierungskritiker Boris Nemzow und andere Prominente wurden festgenommen. Er sagte dem unabhängigen Radiosender Echo, er befinde sich in einem Gefängnis-Kleintransporter, der voller Demonstranten sei. Nemzow will Bürgermeister von Sotschi werden, wo 2014 die olympischen Winterspiele stattfinden sollen. Auf ihn war im vergangenen Jahr ein Anschlag mit Ammoniak-Gas verübt worden.

Die etwa 300 Demonstranten hätten Plakate mit regierungsfeindlichen Parolen auf der Straße getragen und zudem kremlkritische Losungen gerufen, sagte ein Polizeisprecher. Zu hören waren die Rufe "Russland ohne Putin!", "Freiheit!" und "Schande, Schande!".

Auch in anderen Teilen Russlands versammelten sich Regierungskritiker auf den Straßen. In Murmansk wurde nach Angaben der Initiatoren ein siebenjähriger Junge von der Polizei mitgenommen.

Unter den Festgenommenen in Moskau waren auch die bekannten Menschenrechtler Oleg Orlow und Lew Ponomarjow. Die Demonstranten hatten im Moskauer Stadtzentrum die Einhaltung der Verfassung gefordert. Die Behörden hatte Kundgebungen immer wieder verboten.