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Innenminister de Maizière in der Flüchtlingskrise:Anführer gesucht

CDU Präsidiumssitzung

Innenminister Thomas de Maizière am Montag auf dem Weg zum CDU-Präsidium.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Der menschenwürdige Umgang mit Flüchtlingen ist eine nationale Aufgabe, die von oben zu steuern ist. Wo also ist Bundesinnenminister de Maizière?

Der Schwarm gilt als kluges Wesen, man attestiert ihm gerne wundersame Intelligenz. Zu bestaunen ist diese Schwarmintelligenz gerade in München, wo unzählige Freiwillige erfolgreich tun, was Aufgabe des Staates wäre: die neu angekommenen Flüchtlinge am Hauptbahnhof mit dem Nötigsten zu versorgen, mit Wasser und Bananen - und vor allem mit einem Willkommenslächeln. "Wir schaffen das!", hat Kanzlerin Merkel gesagt, und ja, die Ehrenamtlichen haben es geschafft. Sie zaubern, ganz nebenbei, Deutschland ein sympathisches Gesicht - trotz allem.

Denn jene, die für die gigantische Aufgabe der Flüchtlingsversorgung verantwortlich sind, haben nicht nur die Helfer vom Münchner Bahnhof ziemlich alleingelassen, sondern auch die lokalen und regionalen Behörden. Diese arbeiten sehr gut zusammen, egal, ob sie politisch rot oder schwarz geprägt sind. Das Gegenteil von intelligent aber ist, dass noch immer das bayerische Sozialministerium die bundesweite Verteilung der Zehntausenden steuern muss.

Seehofer freut sich womöglich zu früh

Eine Behörde, die mit dem Versorgen der in München Gestrandeten schon genug zu tun hätte, muss andere Bundesländer beknien: Bitte nehmt uns Asylsuchende ab! Dass die nationale Solidarität nur mangelhaft funktioniert, hat Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter zu Recht scharf kritisiert. Zuständig für die Koordination wäre Berlin, das Bundesinnenministerium unter Thomas de Maizière (CDU). Der menschenwürdige Umgang mit den Hunderttausenden Flüchtlingen ist eine nationale Aufgabe, die von oben zu steuern ist. In Berlin aber schaffen sie das bisher nicht.

Dass Merkel vor gut einer Woche die Grenzen geöffnet hat, war aus humanitären Gründen richtig. Dass die Bundesregierung jetzt, genauso plötzlich, wieder Grenzkontrollen eingeführt hat, ist gut gemeint, um einen vollständigen Kollaps der Asylverwaltung zu vermeiden. Und wenn nun, nach Tagen des Zorns, Horst Seehofer diese Kehrtwende genüsslich als seinen Erfolg verkauft, wundert das nicht. Bayerns Ministerpräsident hat die Kanzlerin zum Handeln gedrängt. Womöglich aber freut er sich zu früh.

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