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Datenanalyse zur US-Wahl:Diese neun Grafiken erklären, warum Clinton verloren hat

Am Ende haben sogar mehr Frauen Trump gewählt als Männer Clinton - und das war bei weitem nicht das einzige Problem der Demokratin: Erste Datenanalysen erklären die Sensation der Wahlnacht.

Kurz vor der Wahl waren sich die Prognostiker noch einig: Höchstwahrscheinlich wird Hillary Clinton die Präsidentschaftswahl gewinnen. Die New York Times sagte der Demokratin eine Siegchance von 85 Prozent voraus, die Huffington Post 98 Prozent, andere sahen sie sogar bei mehr als 99 Prozent. Am Ende siegte Donald Trump - und das durchaus deutlich. Wie konnte Clinton diese sicher geglaubte Wahl verlieren? Welche Faktoren waren für die Niederlage verantwortlich? Eine Annäherung.

  • Clinton verliert bei Schwarzen und Latinos gegenüber Obama

Die bekannteste rassistische Entgleisung des zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten richtete sich gegen Latinos: Trump bezeichnete Mexikaner als Vergewaltiger. Und doch hat fast jeder dritte Latino seine Stimme an den republikanischen Kandidaten gegeben. Darauf deuten Zahlen aus den Umfragen nach der Wahl darauf hin (Details dazu siehe Infokasten am Ende).

Die These, ethnische Minderheiten würden keinen Rassisten wählen, hat sich nicht ganz bewahrheitet. Zwar haben die Schwarzen, Latinos und Asiaten überwiegend für die Demokratin gestimmt. Clinton hat fast 90 Prozent aller Stimmen von Schwarzen geholt, 65 Prozent bei Latinos und Asiaten. Aber Clinton erreichte nicht die Strahlkraft eines Barack Obama bei der Wahl 2012 - im Vergleich zu damals sind die Werte um bis zu acht Prozentpunkte zurückgegangen.

  • Mehr Frauen wählen Trump als Männer Clinton, und Junge fehlen auch

Gründe, der Demokratin die Stimme zu geben, gab es für weibliche Wähler zuhauf: Clinton wäre die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten geworden. Sie hätte triumphieren können über den größten Chauvinisten, der seit langer Zeit für dieses Amt antrat. Einen Mann, der sich damit brüstete, Frauen begrapscht zu haben und damit drohte, seine Rivalin hinter Gitter zu bringen.

Zu den traurigen Wahrheiten dieser Wahl gehört nun aber auch: Trump konnte Männer so gut motivieren wie Clinton die Frauen - und wirkte auf Frauen weniger abschreckend als Clinton auf Männer.

Der Sieg Trumps ist außerdem ein Sieg der alten Wähler. Ab einem Alter von 45 Jahren vertrauen die Amerikaner mehrheitlich auf Trump. Bei den 45- bis 64-Jährigen schneidet Clinton mit 44 Prozent am schlechtesten ab.

Bei den jüngsten Wählern kann Clinton zwar punkten, ihr Lager hat bei den 18- bis 29-Jährigen aber auch massiv verloren: Nur noch 54 Prozent der unter Dreißigjährigen wählten die Demokratin. Hinter Obama standen 2012 noch 60 Prozent der Jungen.

  • Clinton kann nur in den Städten gewinnen

Florida

In Florida, der Mutter aller "Battleground-States", gewann George W. Bush vor 16 Jahren die Wahl gegen Al Gore wegen ein paar hundert Stimmen. Barack Obama legte hier die Grundlage für seine erste Präsidentschaft und konnte auch 2012 gewinnen. Trump erhält hier mit 49,1 Prozent der Stimmen genauso viel Zustimmung wie Mitt Romney 2012. Doch Clinton verliert im Vergleich mit Obama 2,4 Prozentpunkte. Der Blick auf die Wahlbezirke zeigt die tiefe Kluft zwischen Stadt und Land. Vor allem in der Metropolregion Miami, die sich bis nach Palm Beach erstreckt, liegt Clinton weit vor Trump. Dagegen fährt Trump in ländlichen Wahlbezirken zum Teil vier mal mehr Stimmen ein als seine Widersacherin.

Pennsylvania

Spätestens als die Nachrichtensender Pennsylvania zum Trump-Staat erklärten, war die Präsidentschaft für Clinton verloren. Seit 1992 gingen die 20 Wahlmänner immer an die Demokraten. Obama holte vor vier Jahren in Pennsylvania mit noch fast fünf Prozentpunkte Vorsprung zu seinem Konkurrenten Mitt Romney den Sieg. Nun liegt Trump mit 48,8 Prozent mehr als einen Prozentpunkt vor Clinton. Die Demokratin gewinnt in den drei größten Städten Philadelphia (hier sogar mit mehr als 80 Prozent der Stimmen), Pittsburgh und Allentown. Auf dem Land kommt Trump hingegen zum Teil auf Werte deutlich jenseits von 80 Prozent der Stimmen.

Ohio

Seit 1964 hat in Ohio immer der Kandidat gewonnen, der später auch Präsident wurde. In diesem Wahlkampf hat sich schon früh abgezeichnet, dass es für Clinton hier schwer werden würde - der Bundesstaat ist stark industriell geprägt, die Arbeitslosigkeit hoch und viele Wähler frustiert. Idealer Nährboden für die Trump-Kampagne. Am Ende wird Ohio zu einem Desaster für Clinton - sie liegt 8,6 Prozentpunkte hinter Trump, der hier sogar mit Dayton eine der größeren Städte für sich entscheiden kann. Neben Cleveland, Athens County und Columbus gehen nur vier weitere Bezirke an Clinton.

Wisconsin

Noch überraschender als die Niederlage in Pennsylvania ist Wisconsin. Seit 1980 haben die Demokraten hier nicht mehr verloren. Und nun färbt sich die Karte auch hier republikanisch-rot.

  • Trump stiehlt Clinton geringverdienende und weniger gebildete Wähler

Traditionell wählen Amerikaner mit geringem Einkommen eher die Demokraten. Das war auch bei dieser Wahl so. Wer weniger als 30.000 Dollar im Jahr verdient, wählte mehrheitlich Clinton. Im Vergleich zur Wahl 2012 hat sie in dieser Einkommensklasse aber 10 Prozentpunkte verloren. Auch bei den Gehältern bis 50.000 Dollar verlor Clinton deutlich.

Erst bei einem Einkommen von mehr als 100.000 Dollar konnte sie etwas Boden gutmachen. Doch in dieser Gruppe gibt es natürlich weitaus weniger Wähler. Hier zeigt sich: Trumps Strategie, sich in seiner Wahlkampagne voll auf die gefühlten oder realen Verlierer der Gesellschaft zu konzentrieren, ist aufgegangen. Jede Stimme für Trump ist eine Ohrfeige für die Eliten - so hat er sich immer wieder verkauft.

Das zeigt sich auch in einer Gruppe, die Trump umworben hat wie keine andere, die besonders offen war für seine Plattitüden, für seinen Chauvinismus, für seine Fremdenfeindlichkeit: die Weißen ohne College-Abschluss. 67 Prozent dieser Wähler haben der Nachwahlbefragung zufolge Trump ihre Stimme gegeben. Das sind 6 Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2012. Es dürften mit die entscheidenden Stimmen gewesen sein.

  • Die Angst hat gewonnen

Clinton wollte als erste US-Präsidentin eigentlich für Fortschritt und Stabilität stehen. Das kauften ihr die Wähler aber nicht ab. Viele misstrauten ihr, sahen sie als Teil des verkrusteten Establishments. Schwarzseher, Unzufriedene, Pessimisten: Sie alle tendieren zu Trump. Etwas mehr als 60 Prozent der Trump-Wähler befürchten, dass das Leben der kommenden Generation schlechter verlaufen wird als das der jetzigen. Fast 80 Prozent der Trump-Wähler schätzen die derzeitige finanzielle Situation verglichen zu 2012 schlechter ein, für fast 70 Prozent ist die USA auf dem falschen Weg. Clinton-Wähler hingegen blicken optimistisch in die Zukunft. Doch die Angst hat diesmal gesiegt.

Exit Polls

In den Nachwahlbefragungen haben Meinungsforscher 24537 Wähler befragt. Wie bei allen Umfragen werden die Ergebnisse ungenauer, je kleiner die Gruppe ist, für die großen demographischen Gruppen (Ethnie, Einkommen) sind die Ergebnisse aber durchaus zuverlässig.