Pandemie:Länder für schärfere Reisekontrollen

Corona-Testzentren in Niedersachsen

In einem Schnelltest-Zentrum in Hannover wird bei einem Mann ein Abstrich gemacht.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante dringen mehrere Ministerpräsidenten auf härtere Regeln bei Quarantäne und Tests. Seehofer sieht keinen Anlass für stationäre Grenzposten.

Von Christina Berndt und Peter Fahrenholz

Der Ruf nach strengeren Corona-Kontrollen für Reiserückkehrer wird lauter. Mit Blick auf die rasche Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante dringen immer mehr Länderchefs darauf, die Test- und Quarantäneregeln bei der Einreise nach Deutschland zu verschärfen. "Diese Stichproben reichen nicht, die im Moment von der Bundespolizei umgesetzt werden", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im ZDF.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kritisierte, dass bei Einreisen aus Risikogebieten derzeit ein einmaliger, einfacher Antigen-Test reiche, um Quarantäne zu vermeiden. "Das ist zu unsicher", sagte er der Welt. Vielmehr sollten nicht geimpfte Rückkehrer aus Risikogebieten (Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50) und Hochinzidenzgebieten (Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200) grundsätzlich in Quarantäne gehen, diese dürfe frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test aufgehoben werden.

Die Delta-Variante mache mittlerweile einen Anteil von mindestens 35 Prozent an untersuchten Proben aus, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Montag in einer Schalte der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, wie Teilnehmer berichteten. Da die Daten bereits einige Tage alt seien, sei der Anteil derzeit tatsächlich sogar auf rund 50 Prozent zu schätzen.

Zuvor hatten schon Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) verlangt, Urlauber an den Grenzen engmaschig auf Impfausweise und negative Corona-Tests zu kontrollieren. "Auch in Ländern mit vergleichsweise niedrigen Inzidenzen läuft man Gefahr, mit anderen Urlaubern zusammenzukommen, die das deutlich ansteckendere Delta-Virus mit sich tragen", sagte Weil der Welt.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung warnt davor, Urlauber zu verunsichern

Der Städte- und Gemeindebund lehnte strengere Regeln dagegen ab. Wichtiger sei die Kontrolle der bestehenden Regelungen, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Funke-Mediengruppe. Und der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), warnte davor, Urlauber zu verunsichern: "Es gelten bereits höchste Sicherheitsvorschriften für solche Gebiete, aus denen aufgrund der Delta-Variante eine Gefahr ausgeht. Dabei sollte es bleiben", sagte Bareiß.

Die Virologin Ulrike Protzer von der TU München unterstützte hingegen die Forderung nach engmaschigen Testungen. "Wir sollten aus der Erfahrung des vergangenen Jahres lernen, als Reiserückkehrer einen erheblichen Beitrag zu den Infektionen am Beginn der zweiten Welle leisteten", sagte sie der SZ. Tests und Quarantäne könnten helfen, Einträge zu begrenzen. Dabei sei Delta aber nur ein Aspekt. Diese Variante sei in Deutschland längst verbreitet. "Bis die Urlaubsrückkehrer kommen, wird die Delta-Variante sich auch bei uns großflächig ausgebreitet haben."

Die Bundesregierung hatte nach Großbritannien erst am Wochenende Portugal und Russland zu Virusvariantengebieten erklärt. Für Einreisende aus solchen Gebieten gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht, von der man sich nicht "freitesten" kann. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sieht derzeit jedoch keine Veranlassung für stationäre Grenzkontrollen. Am Montag hatten Bund und Länder über die Regeln für Reiserückkehrer beraten, mit dem Ergebnis, dass die geltende Einreiseverordnung nicht kurzfristig geändert wird.

Mit Blick auf die Delta-Variante übte Seehofer (CSU) scharfe Kritik an der Zuschauerregelung für die laufende Fußball-EM. Vor allem in Großbritannien seien Zehntausende Zuschauer im Stadion "unverantwortlich", sagte er der SZ. Er appellierte an den europäischen Fußballverband Uefa und die britische Regierung, Zuschauerzahlen "deutlich nach unten zu korrigieren".

© SZ/dpa/Reuters
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