Corona-Pandemie:Nach dem Strand in Quarantäne

Playa de Palma auf Mallorca im zweiten Jahr der Corona-Pandemie Hochsaison Sommer 2021 -;Playa de Palma auf Mallorca im

Nicht mehr gänzlich unbeschwert: Urlaub auf Mallorca.

(Foto: Chris Emil Janssen/Imago)

Die Bundesregierung weist Spanien und die Niederlande als Hochrisikogebiete aus. In Deutschland steigen die Inzidenzen vor allem unter ungeimpften 15- bis 24-Jährigen.

Die Bundesregierung hat ganz Spanien und die Niederlande wegen hoher Corona-Infektionszahlen in der Pandemie zum Hochrisikogebiet erklärt. Die Einstufung gelte von Dienstag an, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag mit. Damit gilt für Einreisende oder Reiserückkehrer eine zehntägige Quarantänepflicht für alle, die nicht geimpft oder von Corona seit bis zu sechs Monaten genesen sind. Bei Hochrisikogebieten kann ein vorgelegter Negativtest erst nach fünf Tagen von der Quarantänepflicht befreien. Die Nachricht dürfte bei Tausenden Urlaubenden und Menschen, die bereits Urlaub in Spanien gebucht haben, genauso wenig Freude auslösen wie bei den Hoteliers in den betroffenen Ländern. Auch Georgien gilt als Hochrisikogebiet und zwar schon von Sonntag an, wie das RKI weiter mitteilte.

Nach Angaben des Reiseverbandes DRV machen aktuell etwa 200 000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub - etwa 60 Prozent von ihnen auf den Balearen, 30 Prozent auf den Kanaren und der Rest auf dem Festland. Hinzu kommen insgesamt geschätzt etwa 200 000 Individualurlauber aus Deutschland in dem Land. Seit Ende Juni sind die Corona-Zahlen praktisch überall in Spanien rapide in die Höhe geschossen. Das Land hat mit die schlechtesten Werte ganz Europas. Binnen eines Monats wurden rund 475 000 Neuinfektionen gezählt, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 42 im Juni auf jetzt 333.

Angesichts schnell steigender Zahlen an Corona-Neuinfektionen in Deutschland fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ein gemeinsames Schüler-Impfprogramm aller 16 Länder. Damit müsse man das Impftempo wieder erhöhen, sagte der CSU-Chef am Freitag. Zuvor hatte die Bundesregierung eine weitere Verlangsamung des Impftempos in Deutschland bekannt gegeben: Am Donnerstag wurden 565 235 Personen geimpft - am Donnerstag vor einer Woche waren es noch 758 572. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA erteilte am Freitag dem Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna die Zulassung für die Impfung von über 12-Jährigen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) gerät damit weiter unter Druck, die Impfung auch für Jugendliche zu empfehlen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 2089 neue Positiv-Tests. Das sind 633 mehr als am Freitag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,2 von 12,2 am Vortag. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag davor gewarnt, dass sich Deutschland auf dem Weg in eine vierte Welle befindet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte darauf hingewiesen, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im September auf über 400 und im Oktober auf über 800 steigen könnte, wenn das derzeitige Tempo bei den Neuinfektionen anhalte. "Die Ferien werden die Corona-Treiber sein", warnte nun Söder mit Blick auf die Urlaubsreisen in europäischen Staaten mit hohen Infektionszahlen.

Der bayerische Ministerpräsident zeigte sich bereit für eine von etlichen Ministerpräsidenten geforderte neue Bund-Länder-Chefrunde. Dabei könnte unter anderem geklärt werden, ab welchen Grenzwerten künftig wieder Corona-Einschränkungen gelten sollen und ab wann Corona-Tests nicht mehr kostenlos sein sollten. Neue Beschränkungen waren eigentlich frühestens erst wieder im Herbst befürchtet worden. Spahn hatte darauf verwiesen, dass die Grenzwerte neu bestimmt werden müssten, weil sich durch den steigenden Anteil von Geimpften die Berechnung für eine mögliche Überlastung des Gesundheitssystems verändere.

Der derzeitige Anstieg der Corona-Inzidenz in Deutschland betrifft Senioren kaum, wohl aber die öfter noch ungeimpften jüngeren Menschen. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist die höchsten Werte von 32 Fällen pro 100 000 Einwohner für vergangene Woche bei den 15- bis 24-Jährigen aus. Bei Kindern zeigen sich in RKI-Daten vergleichsweise geringe Anstiege.

© SZ/Reuters/dpa
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