Corona- Impfkampagne:Tausende Tote weniger

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Coronavirus - Impfaktion an Lubminer Strand

Lange mangelte es an Impfstoff, nun kann man sich vielerorts ohne Termin impfen lassen, wie zum Beispiel hier an einem Strand in Mecklenburg-Vorpommern.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)

Laut RKI hat die Impf-Kampagne knapp 40 000 Todesfälle wegen Corona verhindert. Doch nun stagniert das Impftempo - und es stellt sich die Frage: Wohin mit den überzähligen Dosen?

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus hat laut einer Modellrechnung des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Deutschland geschätzt Tausende Todesfälle verhindert. "Unsere hier präsentierten Daten belegen den überragenden Nutzen der Covid-19-Impfung bereits in den ersten 6,5 Monaten der Impfkampagne in Deutschland 2021", schreiben die Autoren in der am Freitag veröffentlichten Analyse. Daraus ergebe sich, dass im Verlauf der dritten Corona-Welle geschätzt 38 300 Todesfälle verhindert wurden. Die Zahl der verhinderten Meldefälle wird auf mehr als 706 000 beziffert, die der stationären Patienten auf mehr als 76 600, die der Patienten auf Intensivstation auf knapp 20 000.

"Diese hohe Effektivität der Covid-19-Impfkampagne verdeutlicht eindrucksvoll, dass Impfungen den Weg aus der Pandemie ebnen", schreibt das RKI. Derzeit stehe Deutschland am Anfang einer vierten Welle. Um deren Ausmaß so gering wie möglich zu halten, sei es nötig, den Anteil der geimpften Bevölkerung schnellstmöglich zu erhöhen. Für die Analyse modellierten Fachleute ein Szenario mit Impfkampagne und eines ohne. Die tatsächlichen Meldefälle wichen daher von den durch das Modell berechneten Fällen ab, hieß es. Das RKI weist zudem darauf hin, dass verschiedene Parameter und Annahmen mit gewissen Unsicherheiten eingeflossen seien. Es geht zum Beispiel um Effekte der Priorisierung. Angenommen wurde auch, dass alle verfügbaren Impfstoffe ohne Zeitverzug eingesetzt werden. "Zudem wurde angenommen, dass ohne die Impfkampagne außer den bestehenden nicht-pharmakologischen Maßnahmen keine weiteren Maßnahmen getroffen worden wären", schränkt das RKI ein.

Bundesländer wollen 2,3 Millionen ungenutzte Impfdosen zurückgeben

Allerdings stagniert das Impftempo. Seit dem Samstag der Vorwoche wuchs die gemeldete Zahl der Erstgeimpften nur um rund 600 000 weitere Menschen. Angesichts der geringeren Nachfrage nach Corona-Impfungen wollen die Bundesländer einer Umfrage der Welt am Sonntag zufolge mindestens 2,3 Millionen ungenutzte Impfdosen an den Bund zurückgeben. Demnach planen 14 Bundesländer die Rückgabe. Bayern sei noch dabei, die Zahl der Dosen zu ermitteln, die es wieder abgeben will. Schleswig-Holstein habe keine Angaben gemacht. Nur das Saarland sehe keine Notwendigkeit. Das Bundesgesundheitsministerium hatte den Ländern in einem Schreiben die Möglichkeit eröffnet, "Impfstoffdosen, die in der nationalen Impfkampagne nicht mehr zum Einsatz kommen und deren Lagerhaltung eine Weitergabe an Drittstaaten im Rahmen von Spenden zulassen", an das zentrale Lager des Bundes zurückzugeben.

Die Impfstoffe sollten noch mindestens zwei Monate haltbar sein. Impfstoff aus Arztpraxen sowie von Betriebsärzten soll nicht zurück. Als Erstes sollen Vakzine von Astra Zeneca und Johnson & Johnson wieder an den Bund gehen. Allein Nordrhein-Westfalen sieht laut Welt am Sonntag für 1,05 Millionen Impfdosen keinen Bedarf mehr. Baden-Württemberg wolle mehr als 450 000 zurückgeben, Hessen 185 200 und Sachsen 150 000. Die kleinste Rückgabemenge meldet Brandenburg mit 30 500. Das Bundeskabinett hatte Anfang Juli beschlossen, mindestens 30 Millionen Impfdosen an Entwicklungsländer und andere Staaten abzugeben. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte der Welt am Sonntag: "Wir sollten die Menge schrittweise weiter aufstocken, da in Deutschland inzwischen ausreichend Impfstoff verfügbar ist." Es sei nicht nachvollziehbar, wenn in Deutschland Impfstoff verfalle, der anderswo dringend gebraucht würde.

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