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Verwirrung um Neuinfizierte:Pekings seltsame Corona-Statistik

Coronavirus in China: Spaziergänger in Wuhan

Die Infektions- und Todeszahlen aufgrund des Coronavirus könnten sehr viel höher sein, als die chinesische Regierung angibt: Ein Paar mit provisorischer Schutzkleidung spaziert am 31. März durch Wuhan.

(Foto: AFP)
  • In den offiziellen Statistiken haben die chinesischen Behörden zuletzt Patienten außen vor gelassen, die zwar positiv auf das Virus getestet wurden, aber symptomlos waren.
  • Jetzt ermahnte Ministerpräsident Li Keqiang die Lokalregierungen, weiterhin Neuinfektionen zu melden und Menschen ohne Symptome zu testen.
  • In Wuhan könnten die Todeszahlen deutlich höher liegen als offiziell angegeben.

In China sind aktuell deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als bisher bekannt. Mindestens 1561 Menschen wurden zuletzt positiv auf das Virus getestet. Diese Personen waren bisher nicht in den Statistiken aufgetaucht. In den offiziellen Statistiken haben die Behörden Patienten außen vor gelassen, die zwar positiv auf das Virus getestet wurden, aber keine Symptome zeigten. Die betroffenen Patienten sollen nun zentral für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden.

Zuletzt war wiederholt vermutet worden, dass die Zahlen aus China nicht stimmen. Im Internet hatten Menschen von Fällen aus ihrem Umfeld berichtet, die infiziert waren, aber nicht in offiziellen Statistiken auftauchten. In einem Eintrag auf einer Internetplattform vom 12. März etwa hatte ein Einwohner aus Yueyang erklärt, es habe mehrere Neuinfizierte in der Stadt gegeben, auf der offiziellen Liste stehe aber die Zahl null. Die örtliche Regierung hatte daraufhin erklärt, es seien tatsächlich fünf Personen positiv getestet worden. Da sie aber keine Symptome gehabt hätten, seien die Behörden auch nicht verpflichtet gewesen, dies öffentlich mitzuteilen.

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In Wuhan erklärten Bewohner und medizinisches Personal der Nachrichtenagentur Reuters, es habe in einigen Kliniken Probleme mit den Tests gegeben. Deshalb seien Infizierte nicht registriert worden.

Wer die Urnen in Wuhan zählt, kommt auf eine schreckliche Rechnung

Landesweit soll es mehr als 81 000 Infektionen gegeben haben. Die Mehrheit davon sei inzwischen wieder genesen und aus den Krankenhäusern entlassen, hieß es in einem früheren Statement der Behörden. 2161 Patienten sollen sich weiterhin in medizinischer Behandlung befinden. Die Nachmeldung der Infizierten ohne Symptome erfolgte einen Tag nach der Mahnung des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang an Lokalregierungen, weiterhin Neuinfektionen zu melden und Menschen ohne Symptome zu testen, die aber möglicherweise trotzdem ansteckend seien. Ein Mitglied der Nationalen Gesundheitskommission versicherte am Dienstag in Peking, von April an auch asymptomatische Fälle wieder mit in die offizielle Statistik aufzunehmen.

Zuletzt haben die Behörden vor allem über importierte Fälle aus dem Ausland berichtet. Auch wenn es sich dabei fast ausschließlich um Menschen aus China handelte, die aus dem Ausland zurückgekehrt waren, berichteten die Behörden von "Ausländern", die das Virus zurück nach China bringen würden.

Zweifel gibt es zudem an den Zahlen der Todesopfer in China. So hat das Land 2548 Tote in Wuhan gemeldet. Dort haben die Krematorien angefangen, die Urnen von Gestorbenen an Familienangehörige auszugeben. Rund 500 Urnen pro Krematorium pro Tag. Es gibt mindestens sieben große Unternehmen in der Stadt. So gehen Schätzungen davon aus, dass in der Krise bis zu 46 800 Menschen in der Stadt gestorben sein könnten.

© SZ vom 01.04.2020/jobr
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