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Corona-Kampagne:"Selbstverständlich muss man Corona ernst nehmen"

Klaas Heufer-Umlauf ist Hauptdarsteller in neuer Comedyserie

Klaas Heufer-Umlauf 2019 in München.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Die Reaktionen auf die Corona-Kampagne der Bundesregierung "Besondere Helden" sind gespalten. Klaas Heufer-Umlauf verteidigt den flapsigen Ton.

Von Boris Herrmann, Berlin

Die Bundesregierung ruft die Bevölkerung dazu auf, möglichst viel zu Hause zu bleiben, um die Kontakte zu reduzieren. Manchmal tut sie das ganz ernsthaft, etwa in Gesundheitsminister-Pressekonferenzen oder Kanzlerinnen-Podcasts. Vor allem den jüngeren Teil der Deutschen versucht die Regierung aber auch mit Werbespots vom exzessiven Stubenhocken zu überzeugen. Unter dem Titel "Besondere Helden" wurde die Kampagne Mitte November im Netz gestreut. In den Videos blicken ältere Menschen aus einer fernen Zukunft auf den Corona-Winter 2020 zurück und erzählen, wie sie als junge Leute die zweite Welle bekämpft haben - in dem sie nämlich absolut gar nichts taten. Wir "waren faul wie die Waschbären", heißt es in einem der Spots. Die Reaktionen sind gespalten. Einerseits gab es scharfe Kritik an dem flapsigen Tonfall zu einem ernsten Problem, andererseits wird die Bundesregierung für ihre überraschende Ansprache gelobt, und die Spots verbreiteten sich schneller als gedacht. Hinter der Kampagne steckt die Produktionsfirma von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, besser bekannt als "Joko & Klaas".

SZ: Herr Heufer-Umlauf, längst nicht alle Deutsche scheinen es lustig zu finden, dass die Bundesregierung neuerdings versucht, mit Humor für ihre Corona-Maßnahmen zu werben.

Klaas Heufer-Umlauf: Humor ist immer sehr individuell. Man kann niemanden zwingen, dies oder das witzig zu finden. Nur weil jemand nicht exakt diesen Humor teilt, heißt ja nicht, dass er keinen hat.

Im Chor der Kritiker treten auch Historiker auf, die das Spiel mit dem Motiv "Opa erzählt von seinen Heldentaten im Krieg" befremdlich finden.

Da werden Dinge hineingegeistert, die nun wirklich nicht da sind. Da erzählt einfach jemand von einer mittlerweile überstandenen Herausforderung aus der Vergangenheit. Der Beißreflex, wenn der Absender die Bundesregierung ist, ist schon beachtlich. Aber das sorgt für eine gewisse Aufmerksamkeit, das hat auch seine guten Seiten.

Um Aufmerksamkeit muss sich die Kampagne eher nicht sorgen. Der kanadische Premier Justin Trudeau hat Sie auf Twitter empfohlen, die britische BBC ist plötzlich neidisch auf den Humor der Deutschen.

Schön. Dann ist bei denen offenbar angekommen, dass man diese lustige Grundstimmung auch als vorsichtigen Optimismus begreifen kann. Wenn wir alle gut drauf sind und wir keine Pandemie haben, dann ist es ja sehr leicht, Humor anzubringen. Humor ist aber vor allem das, was man macht, wenn es eigentlich gar nicht so witzig scheint.

Muss man Corona nicht ernst nehmen?

Selbstverständlich muss man Corona ernst nehmen. Wir sind in einer ganz besonderen Situation, aber gerade das erfordert vielleicht auch eine andere politische Kommunikation. Eine Ansprache, mit der man in Kauf nimmt, vielleicht auch mal was einstecken zu müssen. Mit der man aber dafür eine Augenhöhe und eine Nähe zu den Leuten herstellt, die es sonst eher nicht gibt.

In der Regel wird die Politik nicht für ihre übermütige, sondern für ihre übervorsichtige Sprache kritisiert.

Oft auch völlig zu Recht. Man staunt ja regelrecht, wenn plötzlich mal ein Politiker so redet, dass es sich nicht anhört, als würde er ein PDF runterbeten. Dann denkt man sofort: Da ist ja ein Mensch! Ein Mensch kann mich ernst nehmen. Ein Mensch kann aber zum Beispiel auch Humor haben.

Das kann aber auch schiefgehen.

Aber es ist keine Lösung, wenn die Politik durch pure Angst vor einem Diskurs in Plattitüden oder Allgemeinplätzen an den Leuten vorbeiredet. So kommt es auch, dass Parteien mit Worten wie "Gerechtigkeit" in Wahlkämpfe ziehen. Was soll man da sagen? Sieh an, jetzt geht es offenbar um Gerechtigkeit neuerdings hier in Deutschland.

Was ist so falsch an Gerechtigkeit?

Nichts, absolut gar nichts. Das ist völlig unangreifbar und risikolos. Da kann niemand was dagegen sagen. Es verrät aber auch nichts über die konkrete politische Aussage oder Absicht. Ich weiß ja als Bürger jederzeit, dass Gerechtigkeit schon immer das Ziel war. Was wurde mir hier also überhaupt erzählt?

Wie haben Sie die Bundeskanzlerin davon überzeugt, dass der Witz der Kampagne es wert ist, auch mal was einzustecken?

Wir sind nicht angetreten, um der Regierung irgendwas zu verkaufen, was sie eigentlich gar nicht haben will. Das war eine gemeinsame Entscheidung.

Erklären Sie noch mal für alle, die es nicht verstanden haben, welche Idee hinter der Kampagne steckt.

Wir haben nicht so sehr darüber nachgedacht, wie wir möglichst vielen Leuten vor das Schienbein treten können. Sondern darüber, wie man ein klein wenig Hoffnung spenden kann, ohne konkret zu wissen, wie das alles ausgeht mit dieser Pandemie. Wir machen deshalb die Erzählung auf, dass es irgendwann vorbei sein wird und dass wir dann massiv dazu beigetragen haben werden, dass es vorbeiging, indem wir nämlich auf unnötige Kontakte verzichten. Das wird eines Tages wahrscheinlich ein Teil der Wahrheit gewesen sein, wenn wir uns daran halten. Das ist aber nur ein ganz kleines Mosaiksteinchen der gesamten Kommunikation der Regierung in dieser Krise. Es geht konkret darum, diejenigen, die die Möglichkeit dazu haben, auf bestimmte unnötige Kontakte zu verzichten, zu motivieren, dieses auch zu tun, da sie damit das Leben derer, die diese Möglichkeit nicht haben, sicherer machen. Zu Hause bleiben heißt in diesen Tagen auch, Verantwortung für die zu übernehmen, die nicht zu Hause bleiben können. Aber natürlich sind unsere Spots wesentlich lauter als beispielsweise eine Präventionskampagne des Gesundheitsamts. Weil wir in unserer jungen Zielgruppe natürlich viel mehr rumpoltern müssen, damit das auch ankommt.

© SZ/lalse
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