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Charlotte Knobloch:"Juden in Europa nirgends so sicher wie in Deutschland"

Charlotte Knobloch

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, findet, dass Juden in Europa nirgends so sicher leben wie in Deutschland.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, schätzt die Sicherheit von Juden in Deutschland höher ein als in jedem anderen europäischen Land.
  • Trotzdem warnt die Ex-Vorsitzende des Zentralrats der Juden vor wachsendem Antisemitismus und Übergriffen.

Knobloch schätzt Sicherheit für Juden in Deutschland als sehr hoch ein

Nach Einschätzung der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, leben Juden in Deutschland so sicher wie in kaum einem anderen Land.

Allerdings warnte Knobloch auch vor Gefahren - etwa dem Antisemitismus, wie er in Hinterhofmoscheen gelehrt werde. "Ich glaube, dass wir in Deutschland sagen können, dass Juden hier am sichersten leben können von allen europäischen Ländern", betonte Knobloch.

Sie forderte jedoch, dem Thema Antisemitismus mehr Aufmerksamkeit zu gewähren. "Dieses Phänomen zeigt sich doch noch immer sehr stark und gesellschaftsübergreifend, in den letzten Jahren sogar immer offener und ungenierter."

Mahnung zur Wachsamkeit vor wachsendem Antisemitismus

Ähnlich hatte sich die 82-Jährige bereits in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung geäußert. Statt Hinweisen auf einen möglicherweise rechtsextremen Hintergrund beim Wiesn-Attentat von 1980 nachzugehen, sollte aktuellen Fällen von antisemitischen Übergriffen nachgegangen werden.

"Man muss schauen, dass das Oktoberfest heute nicht mehr mit solchen Problemen belastet ist", sagte Knobloch. Dass es in den Achtzigerjahren rechtsextreme Morde und Gruppierungen wie die "Wehrsportgruppe Hoffmann" gegeben habe, sei bekannt. "Da brauche ich mir doch jetzt keine Gedanken mehr machen, ob die am Oktoberfest-Attentat beteiligt war oder nicht", sagte Knobloch.

Erst vor einigen Wochen wurden auf einer Ausstellungstafel vor dem jüdischen Gemeindezentrum in München mehreren abgebildeten Personen Hitlerbärte eingebrannt. Das sei mehr als eine Sachbeschädigung, deretwegen die Polizei nun ermittelt, sagte Knobloch. "Jude" sei wieder ein Schimpfwort geworden, klagte sie.

Öffentlich eine Kippa zu tragen, wovor zuletzt hohe jüdische Repräsentanten gewarnt hatten, sei in München aber "kein Problem". Sie fühle sich in der Stadt "nicht als Minderheit". Mit dem Gemeindezentrum am Jakobsplatz sei die Kultusgemeinde "im Herzen der Stadt und im Herzen der Menschen", sagte Knobloch.

Hier noch einmal das Interview mit Charlotte Knobloch mit SZ plus lesen.

© SZ.de/dpa/cmy/sosa
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