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CDU und Home-Ehe:Akzeptanz und Respekt werden wachsen

Die CDU sperrt sich gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe. Sie hält sie fälschlicherweise für bloße Mode. Dennoch ist es kein rasendes Unglück, wenn die Öffnung noch ein wenig Zeit braucht.

Kommentar von Heribert Prantl

Noch nie in der Geschichte haben sich gesellschaftliche Grundanschauungen so schnell, fundamental und menschenfreundlich geändert: Aus der Ächtung der Homosexuellen ist Achtung geworden. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, gestern noch als unnatürlich beschimpft, werden heute vom Recht als Verantwortungsgemeinschaften geschätzt.

Beim Lesen gar nicht so alter Gesetze und Bücher reibt man sich die Augen, weil die Gegenwart so spektakulär ist: Die Gesellschaft hat sich am Schopf gepackt und aus dem Sumpf der Verachtung von Minderheiten gezogen.

In der CDU und der CSU, auch bei vielen anderen konservativen Gruppierungen, gibt es Zurückhaltung und Widerstand. Man hält dort die Homo-Ehe für eine modische Zeitgeist-Geschichte; man will daher bei den gewohnten Sichtweisen bleiben. Die Berliner CDU versteckt sich hinter dem Koalitionsvertrag, um sich nicht für die Öffnung der Ehe öffnen zu müssen. Und auch die NRW-CDU will die Ehe in ihrem Grundsatzprogramm nach wie vor Mann und Frau reservieren.

Es ist kein rasendes Unglück, wenn die Öffnung der bürgerlichen Ehe für Homosexuelle noch ein wenig Zeit braucht. Das ist schade, aber vielleicht notwendig - denn die gesellschaftliche Revolution braucht möglichst große Akzeptanz. Akzeptanz und Respekt werden weiter wachsen. Das ist gut so. Denn es geht nicht um Zeitgeist, sondern um Menschenwürde.

© SZ vom 12.06.2015

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