Bundestagswahl 2017 AfD will Wahlkampf mit Meinungs-Bots machen

  • Die AfD will im Bundestagswahlkampf 2017 Social Bots einsetzen, berichtet der Spiegel.
  • Diese Programme verbreiten Beiträge in sozialen Netzwerken, ohne dass zu erkennen ist, wer dahinter steckt.
  • Alle anderen Parteien in Deutschland lehnen den Einsatz dieser Technik im Wahlkampf ab.
  • Bei mehreren politischen Ereignissen wurde bereits versucht, mit Bots Einfluss auf die öffentliche Meinung oder Abstimmungsergebnisse zu nehmen.

Gerade erst hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfohlen, die Parteien in Deutschland sollten sich gemeinsam gegen den Einsatz von sogenannten Social Bots einsetzen. Nun kündigt die AfD an, im kommenden Jahr genau solche Programme zu verwenden. "Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie im Bundestagswahlkampf einbeziehen", sagte Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel dem Spiegel.

Social Bots sind Programme, die automatisch Beiträge in sozialen Netzwerken verbreiten, ohne dass erkennbar ist, dass dahinter keine reale Person steckt. Bei der AfD werden sie als "wichtige Instrumente" betrachtet, um für die politischen Positionen der Partei zu werben.

Merkel hatte das Thema auf dem Deutschlandtag der Jungen Union am vergangenen Wochenende angesprochen und gefragt: "Wollen wir mal zwischen den Parteien sprechen, ob wir gemeinsam dagegen kämpfen?" Nach ihrem Plädoyer hat CDU-Generalsekretär Peter Tauber den Einsatz der Technik im Wahlkampf bereits ausgeschlossen. "Der AfD geht es nicht um eine echte inhaltliche Auseinandersetzung, sondern nur um Krawall und Pöbelei", sagte Tauber dem Spiegel.

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Es sei wichtig, auch künftig zu erkennen, was echte Äußerungen von Bürgern seien und was nicht, forderte er der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. "Auch deshalb müssen wir Nachrichten von Bots erkennen, die die Realität verfälschen, damit es keine Themenagenda vorbei an den wirklichen Interessen der Leute gibt."

Wie Reuters berichtet, sagen SPD, Grüne und FDP ebenfalls, dass sie keine Fake-Accounts einsetzen und dies auch im Wahlkampf 2017 nicht tun würden. "Manipulation durch Social Bots lehnen wir ab", sagte zum Beispiel der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner. "Wenn sich die Parteien untereinander darüber verständigen können, begrüße ich das sehr." Auch für die FDP komme ein Einsatz der Programme zur Meinungsmache in den sozialen Netzwerken nicht infrage, sagte FDP-Sprecher Nils Droste. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte dem Spiegel, die sozialen Medien würden im SPD-Wahlkampf eine wesentliche Rolle spielen. "Aber den Einsatz von Bots lehnen wir ab." Ähnlich äußerte sich die Linke.