Bundestag lässt PID zu Wie sich die PID-Befürworter durchgesetzt haben

Durchgesetzt aber haben sich die Befürworter eine begrenzten Freigabe der PID. Sie gehen grundsätzlich von den Eltern aus, die selbst genetisch vorbelastet sind, schon behinderte Kinder und/oder Totgeburten erlebt haben und auf natürlichem Weg kaum noch Chancen haben, gesunde Kinder bekommen zu können. Die körperlich und psychisch äußerst belastende Prozedur der künstlichen Befruchtung ist Voraussetzung für eine PID.

Diesen Eltern soll mit der PID die Chance gegeben werden, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Eine Ethikkommission und verpflichtende Beratungsgespräche sollen Eltern dabei vor Fehlentscheidungen schützen.

Doch auch die Befürworter argumentieren mit dem Lebensschutz. Wer die PID verbiete, der "setzt Frauen und Familien einem schweren Konflikt aus", prophezeit Ulrike Flach, die die Debatte am Morgen eröffnet. Ohne PID nämlich würden der Frau möglicherweise nicht lebensfähige oder stark erbkranke Kinder eingepflanzt. Die PID könne also Spätabtreibungen, die in solchen Fällen bis kurz vor der Geburt möglich sind, verhindern.

Ganz am Schluss tritt als letzte Rednerin Ursula von der Leyen auf. Sie hat viele Jahre als Gynäkologin gearbeitet, bevor sie in die Politik ging. Nach ihrer Ausbildung glaubte sie anfangs, vieles zu wissen, sagt sie. Doch "die Wucht des Schicksals rund um Schwangerschaft und Geburt haben mich sehr still werden lassen".

Die Wucht des Schicksals

Die für sie entscheidende Frage laute: "Auf wessen Schultern lastet am Ende die Verantwortung?" Sicher auch bei den Abgeordneten. Doch bei aller Sorgfalt, die die Abgeordneten in dieser Frage an den Tag legten, "spüren wir am Ende die Wucht des Schicksals nicht am eigenen Leib, an der eigenen Seele".

Letztlich seien es die Eltern, die in der "Verantwortung vor Gott, vor dem ungeborenen Leben, und den eignen Kindern stehen, seien sie behindert oder nicht behindert". Das Totalverbot gehe von einem bevormundeten Menschen aus, sagt von der Leyen. "Wir gehen von einem mündigen Menschen aus." Der Applaus nach der Rede von der Leyens macht klar, dass es die Gegner der PID an diesem Tag schwer haben werden. CDU-Mann Jens Spahn hatte zuvor noch an die Unentschlossenen appelliert, im Zweifel für ein Verbot zu stimmen. Die Mehrheit aber stimmte im Zweifel für die Eltern.

Als das Abstimmungsergebnis bekanntgegeben wird ballt Ulrike Flach vor Freude die Faust. Auch ein Zeichen dafür, dass es hier nicht um irgendeine Sachentscheidung ging. Wäre schön, wenn es solche Momente im Bundestag öfter geben könnte.