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Bundespräsident: Geheimbrief Wulff:Deutschland als Weltmeister

Meine lieben Mitbürger, wie Sie wissen, liegen harte Jahre vor uns. Wir Niedersachsen sind weniger davon betroffen, weil wir Interessen mit Freundlichkeit durchsetzen können. Es ist unser Vorteil, wenn jemand dies mit Harmlosigkeit verwechselt. Wir lassen uns von keinen Fallenstellern irritieren, nicht einmal von jenen im eigenen Lager

In meinem neuen Amt im Schloss Bellevue werde ich zeigen, dass ein Schuss Jugendlichkeit den Aufgaben guttut. Aus dem neuen Spielzimmer, das meine Frau Bettina einrichtet, werden Schreie der Freude nach außen dringen und der Nation Zuversicht verleihen.

Sie wissen, dass ich mich immer mit meiner Familie den öffentlichen Anforderungen gestellt habe und dies auch im Wahlkampf mit schönen Bildern von meiner Frau und meinen Kindern deutlich machte. Ansonsten halte ich Privates für tabu.

Aus Familieninteresse habe ich auch zunächst im Dezember 2009 bei einem Ferienflug die kostenlose Hochstufung in die teurere Businessklasse akzeptiert und später den Differenzbetrag an die Fluggesellschaft gezahlt. Wir dürfen die Wirtschaft nicht verteufeln, zumal wenn Firmen wie Air Berlin Sommerfeste unserer Landesvertretung in Berlin unterstützen.

Es kommt am Ende auf das Team an. Auf neue Zeichen, auf neue Tattoos für Deutschland, wie die neue First Lady Deutschlands immer sagt.

Als Bundespräsident werde ich mich sofort dafür einsetzen, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika Weltmeister wird. Für diesen Plan habe ich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugen können. "Wir haben die Kraft", das war der berechtigte Slogan unserer Partei CDU im Bundestagswahlkampf 2009. Es kommt darauf an, diese Kraft in Tore umzusetzen, nicht in Eigentore. Das ist auch der Geist meiner Antrittsrede als Bundespräsident, an der ich seit vier Wochen arbeite.

Wie Sie wissen, komme ich aus Osnabrück, der Stadt, in der der Westfälische Friede geschlossen wurde. Das ist mir Vermächtnis und Auftrag. Als Weltmeister allerdings, lassen Sie mich das auch sagen, lebt es sich noch friedlicher. Ansonsten sehe ich mich als Anwalt der Zukunft.

Liebe Niedersachsen, seien Sie unbesorgt: Auch als Präsident aller Deutschen bleibt mir meine Heimat besonders wichtig. Deshalb werden wir unsere Wurzeln in Großburgwedel nicht kappen. In den nächsten Wochen werde ich dort mit Joachim Gauck viel über Freiheit und Verantwortung in Deutschland reden.

Mit besten Grüßen

Ihr

Christian Wulff

© sueddeutsche.de/woja/mati

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