bedeckt München 23°
vgwortpixel

Grüne:Kretschmanns Wut und ihre Folgen

Winfried Kretschmann

Bildet das eine Ende des ideologischen Spektrums bei den Grünen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)
  • Auf dem Bundesparteitag der Grünen wird ein Zornesausbruch von Winfried Kretschmann heimlich gefilmt. Jetzt ist das Video öffentlich.
  • Darin wettert der Ministerpräsident von Baden-Württemberg gegen das Ziel, die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren nur noch bis 2030 zuzulassen
  • Nun stellen sich zwei Fragen: Darf man heimlich filmen? Und: Was bedeutet Kretschmanns erkennbare Wut für die Grünen?

Der Feind ist inzwischen überall. Man kann ihm auch auf dem eigenen Parteitag begegnen. Oder von ihm dort heimlich gefilmt werden. So wie das am vergangenen Wochenende Winfried Kretschmann passiert ist. Während sich die Grünen in Berlin öffentlich hinter der Parteispitze versammelten, wetterte Kretschmann im Zwiegespräch mit einem alten Freund gegen einen zentralen Beschluss des Parteitags.

Er attackierte das Ziel, die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren nur noch bis 2030 zuzulassen. Er schimpfte über "Schwachsinns-Termine" und erklärte, bei solchen Beschlüssen werde er nicht mit in den Kampf ziehen: "Dann lasst mich in Ruhe und macht euren Wahlkampf selber!", betont Kretschmann in dem Mitschnitt. Sein Wutausbruch war erkennbar nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Öffentlich geworden ist er nun trotzdem, und zwar durch die heimliche Aufnahme eines rechtspopulistischen Nachrichtenportals namens Jouwatch.com.

Damit stellen sich zwei Fragen: Darf man heimlich filmen? Und: Was bedeutet Kretschmanns erkennbare Wut für die Grünen?

So, wie es aussieht, hat ein den Grünen nicht wohl gesonnenes Nachrichtenportal auf deren Parteitag sehr zielstrebig darauf gewartet, Pannen, Fehler, Widersprüche zu entdecken. Und es hat dabei heimlich Filmaufnahmen gemacht. Heimlich deshalb, weil Kretschmann und Kollege nicht wussten, dass sie da aufgenommen würden. Das jedenfalls beteuern sie im Rückblick.

Moralisch einwandfrei also ist das Handeln der Filmchenmacher nicht; außerdem steht es außer Frage, dass es höchst problematisch wäre, wenn auf einem solchen Parteitag jeder in jeder Sekunde damit rechnen müsste, heimlich gefilmt und danach öffentlich aufgespießt zu werden. Es würde jede Freiheit nehmen, in Konflikten eine eigene Meinung zu artikulieren, obwohl man im Grundsatz der Gemeinschaft folgen wird. Ein Parteitag mit tausend heimlichen Kameras wäre das Ende einer Debattenfreiheit, wie sie die Demokratie ausmacht.