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Bürgerkrieg in Syrien:Menschliche Schutzschilde - öffentlich ausgestellt

  • Syrische Rebellen missbrauchen Alawiten als menschliche Schutzschilde gegen Luftangriffe.
  • Die Gefangenen wurden in Käfige gesperrt, die in einem Vorort von Damaskus aufgestellt wurden.
  • Es handelt sich um einen Verstoß gegen die Genfer Konvention.

Von Markus C. Schulte von Drach

Nach den Menschenrechtsverletzungen, die der sogenannte Islamische Staat und andere Gruppen in Syrien nachweislich schon verübt haben, erscheinen auch diese Bilder glaubwürdig: In der Stadt Douma in der Region Ost-Ghuta nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus haben Aufständische große Käfige aufgestellt. In den Käfigen eingesperrt sind Menschen. Sie dienen offenbar als menschliche Schutzschilde.

Das Shaam News Network (SNN) der syrischen Opposition hat auf Youtube ein Video veröffentlicht, auf dem mehrere Käfige mit jeweils mehreren Männern oder Frauen zu sehen sind. In sozialen Medien kursieren weitere Bilder und Filme unter dem zynischen Hashtag "Cages of Protection" (Schutzkäfige). Sie zeigen, wie Gefangene durch Douma gefahren werden.

Angeblich sind es insgesamt hundert Käfige, die mit Lastwagen zu verschiedenen Plätzen transportiert und in Straßen und auf Dächern aufgestellt wurden.

Die Gefangenen sollen den Alawiten angehören

Douma und die Region Ost-Ghuta werden von der "Armee des Islam" (Jaysh al-Islam) kontrolliert, die zur Rebellen-Koalition "Islamische Front" gehört und in Syrien einen islamischen Staat errichten will. Ein Anhänger der Gruppe sagte laut New York Times, es handele sich bei den Gefangenen um Anhänger der Regierung, vor allem gefangene Offiziere der Regierungsarmee und Angehörige ihrer Familien. Als Alawiten sind sie Mitglieder der den Schiiten nahestehenden religiösen Gemeinschaft, der auch Präsident Baschar al-Assad und weitere hochrangige Politiker und Militärs angehören.

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien zufolge wurden die Alawiten vermutlich vor zwei Jahren in Adra, einem Nachbarort von Douma, entführt.

Das syrische Militär geht mit Luftangriffen gegen die Aufständischen vor. Erst vor zwei Tagen sind bei einem solchen Angriff offenbar mehr als 40 Menschen auf einem Marktplatz von Douma getötet worden.

Verstoß gegen die Genfer Konvention

A resident rides a bicycle near damaged buildings in the town of Douma, eastern Ghouta in Damascus, Syria

Trümmerlandschaft in Douma, wo die Aufständischen nun Käfige mit Menschen als Schutzschilde vor Luftangriffen aufgestellt haben.

(Foto: REUTERS)

Der offensive Einsatz menschlicher Schutzschilde könnte eine Reaktion darauf sein. Zudem ist der Druck auf die Aufständischen erheblich gestiegen, seit auch Russland die syrische Armee mit Luftangriffen unterstützt. Seit Ende September sind allein bei der Bombardierung von zwölf Krankenhäusern in mehreren Provinzen mindestens 35 Patienten und medizinisches Personal getötet worden.

Der Armee des Islam wurde in der Vergangenheit bereits vorgeworfen, gemeinsam mit dem Al-Qaida-Ableger Al-Nusra-Front gezielt Alawiten, Christen und andere Andersgläubige ermordet zu haben. Im Juni veröffentlichte die Gruppe ein Video, das die Hinrichtung von 18 mutmaßlichen Kämpfern des Islamischen Staates zeigte. Angeblich war es die Reaktion auf vorhergehende Enthauptungen von Jaysh-al-Islam-Mitgliedern durch IS-Kämpfer.

Laut Genfer Konvention ist es verboten, Menschen als Schutzschilde zu missbrauchen. Allerdings war bereits die Hinrichtung der IS-Kämpfer ein Verstoß gegen die Konvention. Wie die New York Times berichtet, sind sich die Rebellen durchaus bewusst, dass sie mit heftiger Kritik rechnen müssen. "Menschenrechtsorganisationen werden danach rufen, dass die Opposition diese Offiziere freilassen sollte", zitiert die Zeitung einen Aktivisten, der auf einem der Videos zu sehen ist. "Wir haben von diesen Organisationen keinen Aufruf zur Rettung der Menschen in Ost-Ghuta gehört."

© SZ.de/pamu
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