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Brexit:Boris Johnson - Mr. Brexit ist wieder da

Er war der Favorit für das Amt des britischen Premiers - kandidierte aber nicht. Nun ernennt ihn May zum Außenminister. Boris Johnsons Werdegang in Bildern.

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Quelle: AFP

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Boris Johnson war der führende Brexiteer. Als Großbritannien aber tatsächlich für einen Austritt aus der EU stimmte, wollte er plötzlich nicht mehr Premier werden. Nun ernennt ihn die neue Premierministerin Theresa May zum Außenminister - eine überraschende Entscheidung, denn Johnson war im Wahlkampf für das Referendum eine äußerst schrille Erscheinung.

Dabei kennt er die EU besser als viele Briten: Einen Teil seiner Kindheit hat er in Brüssel verbracht, als sein Vater in der Umweltabteilung der Europäischen Kommission arbeitete. Er besuchte die Europäische Schule und lernte Französisch. Später, 1989 kehrte er als Journalist nach Brüssel zurück, um fünf Jahre lang über das politische Geschehen für den Telegraph zu berichten. Obwohl Johnson von sich sagt, er sei Europäer, stand er an der Spitze der erfolgreichen Leave-Kampagne.

EU Referendum - Signage And Symbols

Quelle: Getty Images

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Johnson fand zu Beginn der Kampagne sachliche Argumente für den Brexit. Die Ursprungsidee der Union, die Friedenssicherung etwa, sei aus den "höchsten Motiven geboren". Auch die Idee des freien Binnenmarktes befürwortet er. Nur dürfe die nicht zum Souveränitätsverlust führen. Doch dann wurden auch Johnsons Reden immer schriller. So verglich er die EU mit Adolf Hitler. Das brachte ihm wiederum einen Vergleich mit Donald Trump ein. Unbekannte setzten den beiden aus Protest ein Denkmal - Trump und Johnson im Bruderkuss vereint.

Boris Johnson on Vote Leave Bus Tour

Quelle: dpa

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Johnson reiste quer durch das Land auf Stimmenfang. Die Menschen jubelten ihm zu.

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Quelle: AFP

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Sie nehmen Johnson als bürgernah wahr. Dabei ist er ein typischer Oberklasse-Engländer. Er besuchte das Elite-Internat Eton. Damalige Wegbegleiter beschreiben ihn als sehr begabt - und extrem selbstbewusst.

An der Unversität in Oxford studierte er Altertumswissenschaften und war Präsident der legendären und gut vernetzten Oxford Union Debating Society. Nach seiner Tätigkeit als Journalist wurde er 2001 zum ersten Mal als Abgeordneter der Tories ins Parlament gewählt. Politisch tat er sich zunächst wenig hervor: Er trat in Comedy-Shows auf und wurde Herausgeber des Politmagazins The Spectator.

2008 gewann Johnson überraschend die Bürgermeisterwahl in London.

Olympics - Closing Ceremony

Quelle: Getty Images

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"Blonde Gefahr" wird er von den Briten wegen seiner Haare genannt. Gefährlich erschien er zunächst jedoch nicht. Die Leute liebten ihn vor allem wegen seiner sympathischen Art. Andrew Grimson, einer von Johnsons Biografen, sagte über ihn: "Johnson hat eine Begabung, die man in der Politik kaum je antrifft: Er macht den Menschen bessere Laune. Selbst die Leute, die ihn nicht gewählt haben, fangen an zu lächeln." So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Johnson 2012 als Bürgermeister wiedergewählt wurde. Im gleichen Jahr fanden in London die Olympischen Spiele statt. Sie machten Johnson auch weltweit bekannt.

London Mayor Boris Johnson dangles in the air after getting stranded on a zip wire at Victoria Park

Quelle: Reuters

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Dafür sorgten vor allem seine skurrilen Auftritte - er hing schon am Drahtseil, spielte Tauziehen mit Soldaten oder knutschte ein Krokodil (ein Überblick). Auch durch die eine oder andere schräge Idee machte er von sich reden. Etwa dem "Cycle Superhighway", der den Fahrradverkehr Londons revolutionieren sollte. Außerdem wollte Johnson den Flughafen Heathrow schließen und auf einer aufgeschütteten Insel an der Themse-Mündung neu bauen lassen (Boris-Island).

Britain's Prime Minister Cameron and London Mayor Johnsonreact as they join a hand-printing session with children at the Advantage children's daycare nursery in Surbiton in south west London

Quelle: REUTERS

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"Boris Johnson ist jemand, der ungefähr mit zehn herausgefunden hat, dass man sogar mit einem Mord davonkommen kann, wenn man diesen strubbeligen Knuddel-Charme kultiviert", beschreibt der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone die Strategie Johnsons. Tatsächlich haben viele Johnson unterschätzt - auch Premierminister David Cameron.

Britain's Prime Minister David Cameron and London Mayor Boris Johnson stand on a balcony at City Hall in central London

Quelle: Reuters

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Als sich der Premier Ende Februar 2016 offiziell für einen Verbleib in der EU aussprach, stellte sich Parteifreund Johnson überraschend auf die Seite der Brexit-Befürworter. Cameron brachte das aus der Fassung.

Möglicherweise war das auch der gemeinsamen Vergangenheit geschuldet. Cameron war zur gleichen Zeit auf der Eliteschule in Eton. Im Vergleich zu Johnson soll er jedoch ein ziemlich gewöhnlicher Schüler gewesen sein, der Respekt hatte vor dem zwei Jahre älteren Schüler mit dem blonden Schopf. Johnsons Schwester sagte einmal über die Beiden: "David Cameron schaut zu Boris herauf, als sei der immer noch Schulsprecher von Eton - obwohl er größer ist." Johnson selbst lässt es sich nicht nehmen, gegen den Premier zu sticheln. Wenn er von der gemeinsamen Schulzeit erzählt, nennt er den Premier "kleinen Kerl".

Conservative party MP, Boris Johnson, rides his bike along Whitehall in London

Quelle: REUTERS

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Nach Camerons Rücktritt wurde Johnson als sein Nachfolger gehandelt. Auch wenn er selbst diese Möglichkeit zunächst heruntergespielte: "Meine Chancen, Premierminister zu werden, sind ungefähr so groß wie jene, Elvis auf dem Mars zu finden. Oder dass ich als Olive wiedergeboren werde."

Dann er erklärte er überraschend seinen Verzicht. "Nach Beratungen mit Kollegen und im Hinblick auf die Situation des Parlaments habe ich beschlossen, dass ich nicht diese Person sein kann", sagte er zur Begründung. Nun übernimmt er doch Verantwortung - May ernannte Johnson zum Außenminister.

© SZ.de/anri/dayk/mane/lalse
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