bedeckt München

Brasilien:Massenproteste gegen Dilma Roussef

Protest against Brazilian President Dilma Rousseff

Zehntausende demonstrieren am 15. März an der Copacabana in Rio de Janeiro gegen die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff.

(Foto: Antonio Lacerda/dpa)
  • In Brasilien demonstrieren bis zu 1,5 Millionen Menschen gegen Präsidentin Dilma Rousseff.
  • Sie fordern die Absetzung der Staatschefin, die im vergangenen Jahr mit knapper Mehrheit für eine zweite Amtszeit gewählt wurde.
  • Rousseff wird vorgeworfen, in einen Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt zu sein.

Bis zu 1,5 Millionen Demonstranten

In Brasilien haben bis zu eineinhalb Millionen Menschen gegen Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Allein in der Metropole São Paulo, einer Hochburg der Opposition, gingen laut einer im Kurzbotschaftendienst Twitter verbreiteten Schätzung der Polizei eine Million Menschen gegen Rousseff auf die Straße.

Aus Rio und der Hauptstadt Brasília wurden Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern gemeldet, in zahlreichen anderen Orten versammelten sich ebenfalls Tausende Regierungsgegner.

Forderungen nach Amtsenthebung der Präsidentin

Sie forderten die Absetzung der Staatschefin, die im vergangenen Jahr mit knapper Mehrheit für eine zweite Amtszeit gewählt worden war. Viele Demonstranten kamen in Nationaltrikots und mit Nationalflaggen und Trillerpfeifen. Auf Schildern war zu lesen: "Dilma, raus!", "Korruption - wie lange noch?", "Amtsenthebung für Rousseff!".

Korruptionsvorwürfe gegen Roussef

Die brasilianische Staatschefin kämpft seit geraumer Zeit mit einer verschärften Wirtschaftskrise. Hinzu kam zuletzt der Skandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras. Nach Angaben eines Ex-Managers des Unternehmens erhielt Rousseffs Arbeiterpartei (PT) bis zu 200 Millionen Dollar (etwa 185 Millionen Euro) an Schmiergeldern von Petrobras. Die Staatschefin selbst saß dem Konzern von 2003 bis 2010 vor. Sie betont aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben.

Kleinere Tumulte in Rio de Janeiro

An der Copacabana in Rio kam es am Rande der Proteste zu Rangeleien. Regierungsgegner vertrieben Anhänger der Präsidentin aus dem Demonstrationszug. Erst am Freitag waren Tausende Gewerkschafter und Unterstützer der Regierung in mehreren Bundesstaaten auf die Straße gegangen, um Rousseff und dem Petrobras-Konzern den Rücken zu stärken.

Die Regierung hatte die Gegenproteste als legitim bezeichnet, aber vor Ausschreitungen gewarnt. Bei den Protesten 2013 war es zu nächtelangen Straßenschlachten zwischen Randalierern und der Polizei gekommen. Damals waren zwischenzeitlich landesweit eine Million Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Korruption, die hohen Kosten für die Fußball-WM 2014 sowie Missstände im Bildungs-, Gesundheits- und Transportwesen zu protestieren.

© SZ.de/AFP/dpa/cmy/dgr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite