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Blutiger Zwischenfall auf dem Golan:Israel tötet angeblich Grenzstürmer

Hunderte pro-palästinensische Demonstranten wollen die Grenze zu den israelisch kontrollierten Golan-Höhen überwinden - der Versuch endet blutig.

Blutiger Zwischenfall: Erneut haben Hunderte pro-palästinensische Aktivisten versucht, von Syrien aus die Grenze zu den israelisch besetzten Golanhöhen zu stürmen.

Israeli soldiers stand guard on the Israeli-Syrian border near Majdal Shams in the Golan Heights

Israelische Soldaten bewachen am Sonntag die Grenze bei den Golanhöhen. Dort soll es erneut zu Konfrontationen gekommen sein.

(Foto: REUTERS)

An der Grenzanlage in der Nähe der Stadt Madschdal Schams versammelten sich die vorwiegend jungen Menschen und machten sich daran, die Sperrzäune zu überwinden. So zeigten es Fernsehbilder. Palästinenserflaggen wurden geschwenkt, zudem bewarfen die protestierenden Menschen die Soldaten nach israelischen Angaben mit Steinen.

Die israelische Seite eröffnete daraufhin das Feuer. Mindestens vier Menschen sollen dabei tödlich getroffen und mindestens neun Menschen verletzt worden, meldete das syrische Fernsehen. Angeblich soll auch ein Kind unter den Toten sein. Bislang gibt es außer dem vom syrischen Assad-Regime kontrollierten Staatsfernsehen keine andere Quelle, die die Todesopfer bestätigt. Der Sender Al-Dschasira zeigte Demonstranten, die Verletzte wegtrugen.

Allerdings ist unklar, ob es sich bei den Demonstranten tatsächlich um Palästinenser handelt. Aus dem Bericht des syrischen Staatsfernsehens ging nicht hervor, welche Nationalität die Getöteten hatten. Eine israelische Armeesprecherin wollte die Berichte über Tote zunächst nicht bestätigen. Israelischen Medien zufolge hatten die Soldaten die Demonstranten zunächst per Lautsprecher aufgefordert, zurückzugehen. Später habe man zunächst in die Luft geschossen, dann auf die Beine der Demonstranten gezielt.

Der Versuch, die Grenze zu überschreiten, wurde bewusst auf diesen Sonntag, den "Naksa-Tag", gelegt. "Naksa" bedeutet Rückschlag. Die Palästinenser wollen damit an die Eroberung des Westjordanlands, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems und auch der Golanhöhen durch Israel während des Sechstagekriegs von 1967 erinnern.

Auch an der Grenze zum Libanon wurden an dem Gedenktag Ausschreitungen befürchtet. Im Westjordanland waren von Mittag an in mehreren Städten Märsche zum "Naksa-Tag" geplant. Tausende von israelischen Sicherheitskräften waren im Einsatz, um Übergriffe zu verhindern.

Zuletzt hatte es vor drei Wochen mehr als ein Dutzend Tote und Hunderte Verletzte gegeben, als palästinensische Demonstranten vom Libanon aus die Grenze nach Israel und von Syrien aus die Grenze zu den israelisch besetzten Golanhöhen stürmen wollten. Seit dem versuchten Grenzsturm vom 15. Mai hat die Armee einen weiteren Graben im Bereich der drusischen Ortschaft Madschdal Schams ausgehoben und weitere Minen verlegt.

Bei den jüngsten Zwischenfällen handelt es sich um die schwersten an der israelisch-syrischen Grenze seit dem Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973.

© dpa/Reuters/dapd/afis/odg

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