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Berlin:Warum in Berlin wohl bald Rot-Rot-Grün regiert

Die SPD ist in der Hauptstadt wieder stärkste Partei geworden - mit 21,6 Prozent. Stark ist sie aber nicht. Allein mit der CDU kann sie nicht mehr regieren. Welche Möglichkeiten haben die Sozialdemokraten?

Der Beifall kommt langsam und nach einem Zögern, als müssten sich die Sozialdemokraten erst daran erinnern, dass dies ein Sieg sein soll. Und kaum haben die SPD-Anhänger in der Columbiahalle am früheren Flughafen Tempelhof mit dem Applaudieren begonnen, da hören sie wieder auf.

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Was für ein schwerer Erfolg das ist: Wohl nie zuvor war ein Wahlsieger in einem Bundesland so schwach. 21,6 Prozent holten die Sozialdemokraten - ein richtiger Sieg fühlt sich anders an. So mutet es grotesk an, als der Regierende Bürgermeister und SPD-Chef Michael Müller zu kantiger Rockmusik an der Seite von Sigmar Gabriel auf die Bühne kommt. Müller ruft dann aus: "Wir haben unser Ziel erreicht, wir haben einen Regierungsauftrag." Es gebe eine klaren Vorsprung für die SPD.

Für Müller bedeutet das, bei seiner ersten Wahl als Regierungschef politisch überlebt zu haben. Dass der unscheinbare, oft angestrengt auftretende Sozialdemokrat einen großen Triumph einfahren könnte, hatte ohnehin niemand erwartet. Dieses Ergebnis solle Ansporn sein, es noch besser zu machen, sagt Müller den Genossen. Er wolle, dass "beim Feiern die Luft brennt", ruft er. Danach ist es ruhig in der Halle.

Spürbare Freude zeigten die SPD-Mitglieder in der Columbiahalle allerdings über den Niedergang eines Konkurrenten, der derzeit noch Partner der Sozialdemokraten im Senat ist. Als bekannt wird, dass die CDU ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Berlin einfährt, jubeln die Sozialdemokraten, und erst recht, als die Balkendiagramme auf der Leinwand anzeigen, dass es auf keinen Fall eine Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition im Senat geben wird. Im Senat hatten sich SPD und CDU ständig bekämpft. Was den Stil angeht, lag das Niveau dieser Koalition noch unterhalb ihrer Performance.

Schnell beginnen an diesem Abend die ersten Planspiele für die neue Regierung, es läuft auf ein Dreier-Bündnis von SPD, Grünen und Linken hinaus, das überrascht niemanden. Lange vor dem Wahltag sprach der 51-Jährige Müller sich für eine Zusammenarbeit mit den Grünen aus, deren Spitzenkandidatin Ramona Pop nahm die Offerte an und schloss eine Koalition mit der CDU aus. Nun braucht man einen dritten Partner, die Linke steht bereit, auch die FDP schien in ersten Hochrechnungen eine Option zu sein - rein rechnerisch. Tatsächlich will die SPD sie nicht.

"Wir haben unser Ziel erreicht": Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (rechts) mit seinem Parteichef Sigmar Gabriel.

(Foto: Odd Andersen/AFP)

Ein Dreier-Bündnis könne funktionieren, sagte Müller, um die Berliner auf die Option mit den Grünen und der Linkspartei vorzubereiten. "Es ist aber schwieriger, weil es schnell eine 2 : 1-Situation geben kann." Es könne passieren, dass die Kleineren versuchen, sich auf Kosten des Größeren zu profilieren. "Das muss sehr gut verabredet werden, man braucht viele Koordinierungsrunden." Berlins SPD ist gewohnt, sich als der Große zu fühlen. Die Sozialdemokratenwaren sind seit 27 Jahren in jedem Senat dabei, seit 2001 stellen sie den Regierungschef.